Das grüne Herz

Brauner Bär schlug Blaue Feder vor, irgendwo hinzufahren, wo sie noch nie waren. Irgendetwas, wo sie aufs Wasser schauen können. Blaue Feder hatte die ‚Grüne Insel‘ bei der Eidermündung rausgesucht. In der Nacht fiel ihr noch ein, dass ihr Fotografen Freund gerne an den Mühlenteich in Nordhastedt ging. Dort waren sie auch noch nie gewesen.

So schlug sie am Morgen den Mühlenteich vor. Es sah etwas nach Regen aus, also wollte sie nur einen kleinen Ausflug machen. Nordhastedt war mit dem Auto nur 11 Minuten von ihnen entfernt. Brauner Bär fragte, ob es bei dem Freibad war, dann kannte er den Mühlenteich, aber es war schon lange her, dass er dort gewesen ist.

Als sie nach Nordhastedt reinfuhren, las Blaue Feder auf dem Ortsschild ‚Das grüne Herz Dithmarschens‘. Die Gemeinde Nordhastedt ist umgeben von Wäldern, dem Osterwohld und dem Westerwohld und liegt nahezu in der Mitte Dithmarschens. Die Gemeinde grenzt an den Riesewohld, das größte geschlossene Waldgebiet Dithmarschens. Hier gibt es ein zauberhaftes Quellental und der Wald lädt ein, einBad zu nehmen.

Sie kamen zu einen Kreisel, auf deren Mitte sich eine wehrhafte Frauengestalt mit Hellebarde erhebt. Diese Frauengestalt findet sich auch auf dem Wappen von Nordhastedt und bezieht sich auf eine örtliche Sage: ‚In alter Zeit war das Gebiet um Nordhastedt von undurchdringlichen Wäldern umgeben. Diesen natürlichen Schutz nutzten Räuber als Versteck und versetzten von dort aus die umliegenden Dörfer in Angst und Schrecken. Bei einem Überfall auf Nordhastedt stellten sich jedoch die Frauen des Ortes den Räubern entgegen und schlugen sie mit Breitöpfen, Wasserkrügen und anderen häuslichen Geräten in die Flucht. Zu Ehren dieser tapferen Frauen wurde die Frauenfigur in Altdithmarscher Tracht und mit gefällter Hellebarde zum alleinigen Motiv des Gemeindewappens erhoben. Die Sage von den tapferen Nordhastedter Frauen wird seit langer Zeit durch das alle drei Jahre stattfindende Dorffest „Frunsbeer“ (Frauenfest) am Leben erhalten.

Sie nahmen im Kreisel die Ausfahrt geradeaus. Sie kamen aus dem Westen und fuhren in den Osten. Sie fuhren durch den Osterwohld und landete im Riesewohld bei Arkebek. Vom Schwimmbad keine Spur. Das war wohl nicht der richtige Weg.

Nun gab Blaue Feder ‚Mühlenteich‘ in den Navi ein. Wieder kamen sie zum Kreisel mit der Frau mit Hellebarde und nahmen die Ausfahrt richtig Nordhastedt Ort. Sie fuhren in den Süden und landete auf einem Feldweg bei zwei sehr kleinen Mühlenteichen. Eine schöne Gegend, aber irgendwie hatte sich Blaue Feder den Mühlenteich etwas größer vorgestellt. Sie waren also wieder verkehrt.

Nun gab sie das Freibad in den Navi ein. Wieder kamen sie zum Kreisverkehr und nahmen diesmal die dritte Ausfahrt Richtung Gaushorn. Sie fuhren in den Norden und kamen tatsächlich beim Mühlenteich an. Brauner Bär erinnerte sich in der ehemaligen Wassermühle schon einmal gefeiert zu haben. Sie fuhren zum Schwimmbad hoch mittlerweile ohne große Erwartungen. Es ist ein kleines solarbeheiztes Freibad.

Sie hatten tatsächlich den Mühlenteich gefunden. Er liegt im Zuflussbereich der Westerau. Die Westerau ist einer von meheren Quellbächen, die auch die Gieselau speisen – einer ihrer Lieblingsausflugsorte bei Albersdorf. Als Blaue Feder den Mühlenbach sah, hüpfte ihr Herz vor Freude.

Sie war auch ganz angetan von dem Rundweg, um den Mühlenteich. Es war ein Waldlehrpfad. Hier standen im Kreise alle möglichen Bäume und Sträucher beieinander und Schilder erklärten, was zu sehen war.

Eine kleine Flatterulme begrüßte sie. Sie war im vergangenen Jahr, als die Flatterulme zum Baum des Jahres gewählt wurde, dort gepflanzt worden. Ihre Urgroßmutter steht gegenüber der alten Wassermühle und gehört zu den ‚Alten Bäumen Dithmarschens‚. Es gab ja ein großes Ulmensterben und so freute sich Blaue Feder, dass auch vor ihrem Hof eine unversehrte Ulme stand.

Die beiden gingen die Bäume und Büsche ab. Hier standen Feldahorn, Feldulme, Traubeneiche, Hainbuche, Zitterpappel, eine imposante Pyramidenpappel, Vogelbeere, Moorbirken, viele alte Buchen und Grauerlen. Himbeere, Brombeere, Efeu und wildes Geißblatt waren ebenso ausgeschildert, wie Schlehdorn, Schwarzer Holunder, Pfaffenhütchen und Hasel.

Eine alte Weide berührte Blaue Feders Herz. Es war nur noch ein Baumstumpf, der trotzdem junge Triebe hatte.

Dann ging es über eine kleine Brücke über die Westerau.

Linkerhand führte der Eichhörnchen Rundweg um den See herum und rechterhand kamen sie aus dem Staunen nicht mehr raus. Sie folgtem dem Lauf des kleinen Baches, wohl die Westerau und kamen in einen wunderbaren Auenwald.

Nun verstanden sie, warum dieser Landstrich das ‚Grüne Herz Dithmarschens‚ genannt wurde. Sie konnten sich vorstellen, wie es hier im Frühling und Sommer aussehen musste. Blaue Feder sah sogar einen Eisvogel entlang des Baches fliegen. Der Weg war einfach zauberhaft. Überall gab es zauberhafte Baumwesen zu entdecken. Hier würden sie bestimmt öfters herkommen zu den verschiedenen Jahreszeiten.

Sie könnten von sich auch mit dem Fahrrad durchs Moor fahren und dann quer rüber zum Freibadbad. Dann waren sie in einer halben Stunde dort. So konnte man im Sommer den Ausflug mit einem Bad in dem Schwimmbad verbinden. Irgendwann würde man wohl auch wieder in der alten Wassermühle einkehren können.

Sie waren aufgebrochen etwas neues Neues zu entdecken. Ihre Herzen fingen an zu leuchten. Sie liebten es einfach neue Landschaften zu erkunden. Sie würden bestimmt noch oft hierherkommen. Im Internet sah sie, dass ihr Fotografen Freund aus dem Dorf bei der VHS-Heide im März einen Fotokurs am Mühlenteich anbot. Sie konnte nun verstehen, warum er so gerne hierherkam.

Was bringt denn Dein Herz zum Leuchten?

2 Kommentare zu „Das grüne Herz

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