Das Engelwurz-Weiblein

Manchmal, oft, eigentlich immer, assoziierte Blaue Feder einfach frei vor sich hin. So nannte sie die Figuren ‚Apfelkinder‘. Naja, das war naheliegend, trug das Mädchen einen Korb mit Äpfeln und der Junge aß einen Apfel. Sie hatte die Kerzenhalter von ihrer Schwiegermutter geerbt. Durch einen kurzen Austausch mit ‚Anna‘, war ihre Neugier geweckt. Was hatte es mit diesen Figuren auf sich? Sehr schnell landete sie bei Carl Larsson, einem schwedischen Maler, der mit seiner Frau Karin und seinen sieben Kindern in Sundborn im ‚Haus in der Sonne‘ gelebt hatte.

Er malte überwiegend Szenen aus dem Leben seiner Familie rund um das Wohnhaus in Sundborn. Das ‚Haus in der Sonne‘ ist heute ein Museum und Blaue Feder besuchte es einst. Bestimmt hatte sie damals auch das Aquarelle von seiner Tochter ‚Brita als Idun‘ gesehen, das als Vorbild für die Kerzenhalter-Figur gedient hatte.

Brita als Idun von Carl Larsson

Idun ist die Hüterin der goldenen Äpfel. Der Mythos von Idun erinnert auch an den Griechischen Mythos von den goldenen Äpfeln des Baumes der Hesperiden und an die Äpfel vom Baum Lebens im Garten Eden. Auch in Irland gibt es eine keltische Sage in der drei Brüder im Falkengewand die Wunderäpfel Hisbernas rauben. Das Bild vom Apfel ist wohl ein sehr altes.

Da war sie nun die Verbindung zu den Äpfeln. Früher wurden gerne Äpfel und Nüsse in den Baum gehängt, als Symbol des sich erneuernden Lebens. Es wurden auch nicht die Bäume ins Haus geholt, sondern die Gaben an die Bäume in den Wald gehängt mit Wünschen und Gebeten für das neue Jahr. So dienten sie gleichzeitig den Tieren als Futter im Winter. Auf diese Weise sind wohl die heutigen Christbaumkugeln entstanden.

Die Sonne schien und Blaue Feder lockte sie heraus. Sie wollte noch die Weihnachtsbriefe einstecken. Die Dorfeiche erstrahlte im Sonnenlicht. Verschlafen grüßten sie sich. In einer Kiefer saß eine Türkentaube. Im Wind wehte die Fahne des ‚Alten Schweden‘ und ein alter Baumgeist lud sie ein, noch ‚ihrem‘ kleinen Wald einen Besuch abzustatten. Von wegen ‚Halkyonische Tage‘ – hier oben im Norden wehte eine recht kühle Brise. Sie hörte und sah viele Möwen, die sich ins Innenland zurückgezogen hatten.

Sie schlenderte durch den kleinen Buchenwalde und begrüßte die uralten Hollerbäume.

Sie ging durch das Tor, wo Schlehen und Weißdorn sich die Hände reichen und schaute welche Kräuter in den Weiden wuchsen.

Eine Eule flog rüber zum Fuchsloch und rief ihr zu. So erklomm Blaue Feder die 10 Stufen zum Fuchsloch. Sie saß eine Weile bei der alten Eiche und lauschte den Vögeln. Als sie wieder ging, lag auf dem Weg eine Wurzel und sie nahm sie mit.

Auf der Brücke bei der alten Holler hing ein verrosteter Schlüssel an einem schwarzen Band. Er erinnerte sie an ihre Wintergeschichte vom vergangenen Jahr. Da fand sie einen goldenen Schlüssel unter einer Linde und das Feenspiel entspann sich.

https://www.yumpu.com/xx/document/read/62990101/ein-feenspiel

Sie fragte sich, ob jemand den alten Schlüssel noch gebrauchen könnte und nachdem sie dreimal hin- und hergegangen war, nahm sie ihn mit. Wer weiß, vielleicht war es ja der Schlüssel zu ihrem Herzen.

Sie hatte von ihrer Schwiegermutter viele Bündel mit 9 Hölzern geerbt. Manchmal zu besonderen Anlässen wie zum letzten Neumond nahm sie eins und entzündete damit ein Feuer. Die Schwiegermutter hatte diese Holzbündel alle liebevoll geschmückt. Auf diesem Bündel war ein kleiner Engel. Blaue Feder ging ins Atelier und räucherte mit Engelwurz. Das konnte sie nicht wirklich empfehlen. Der Geruch war nicht wirklich angenehm. Da nahm sie lieber den getrockneten Beifuß aus ihrem Garten.

Sie breitete alle ihre Fundstücke auf dem Tisch vor sich aus. Dann wurde es still im Atelier, alle Teile fügten sich zusammen und nach einer Weile lachte sie ein Engelwurz-Weiblein an. Sie trug den Schlüssel am Gürtel. Nun fanden auch die Eulenfedern eine Verwendung, die Blaue Feder die Tage auch in der Nähe des Fuchsloch gefunden hatte.

Nun hängt das Engelwurz-Weiblein bei ihr im Atelier. Ein bisschen hatte es ihr schon erzählt. Blaue Feder ahnte schon, mit ihr würde sich wohl eine neue Geschichte entspinnen.

Habt einen schönen vierten Advent und eine schöne Wintersonnenwende!

2 Kommentare zu „Das Engelwurz-Weiblein

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