Der Geist des Berges

Der Tag war grau im Tal der Ulra, hier und dort ein wenig Schneeregen – eine leise Ahnung von Winter. Blaue Feder hatte sich ein Feuer angezündet und las ein Buch. Es hieß ‚Bis zum 13. Mond‘. Es handelte von einer jungen Frau und Heilerin in der Stein-Zeit. Am Abend blinzelte dann noch die Sonne über dem Krähenwald hervor. Blaue Feder ging ihren Feenbaum besuchen und brachte den Vögeln des Waldes ein paar Körner. Ein Rotkehlchen begleitete sie.

Als die Krähen von ihren Futterplätzen zu ihren Schlafplätzen zogen, ging auch Blaue Feder wieder heim. Am Ostroher Tannenbaum leuchteten schon die Lichter.

Wie ging es im Land Elfen und Feen weiter?

Fortsetzung ‚The Tri-coloured House‘ 19

Bevor sie auf Reisen gingen, hatte Blaue Feder geträumt, sie würde irgendwo ihren Koffer vergessen. Sie vergaß nicht ihren Koffer, aber am morgen, als sie aufbrachen, ließ sie ihren Lieblingsrock und ihre Bluse im Schrank hängen. Ein Teil von ihr wollte einfach dort bleiben. Sie hatte das Gefühl, als ließe sie ihr Herz auf Achill Island zurück. Tränen liefen auf ihren Wangen runter, als sie sich von Elizabeh und John verabschiedeten. Sie weinte auch im Auto noch lange. Selten fiel ihr ein Abschied so schwer. Brauner Bär saß auch traurig neben ihr.

Sie fuhren in Richtung Sligo. Alles schien ihnen grau, nichts schien ihnen mehr zu gefallen. Sie fuhren durch Bangor und fanden es schrecklich. Sie fuhren durch Ballina und fanden es so lala.

‚Cnoc na Ri‘

Erst als sich der Knockneara majestätisch vor ihnen erhob, hebte sich auch ihre Stimmung langsam wieder. Sie fanden sogar den Weg zum Parkplatz. Der Dichter William Butler Yeats spricht von dem Knocknarea als ‚Dem Land des Herzens‘.

Oben auf dem Berg befindet sich das alte Königinnengrab der Maeve. Man geht den Berg zu Fuß hinauf. Die Legende besagt, dass jeder Besucher des Grabes einen Stein mit hochnehmen sollte, um ihn zu den anderen dazu zulegen. Heute nehmen sich die Menschen oft einen Stein als Andenken mit runter.

Während Brauner Bär den Berg erklomm, fand Blaue Feder auf halber Höhe eine Bank mit einem schönen Ausblick. Der Geist des Berges gesellte sich zu ihr. Sie sah ihn als ein großes Murmeltier. Er freute sich, weil es nicht so oft vorkam, dass jemand kam und sich mit ihm unterhielt. Er nahm Blaue Feder in den Arm, damit sie ein bisschen Kraft bekam. Als Zeichen ihrer Freundschaft malte es zwei Herzen auf einen großen Stein. Nun verstand Blaue Feder ein bisschen, was der Dichter mit ‚Dem Land des Herzens‚ wohl meinte. Sie sah das Land mit anderen Augen und sah wie schön es hier war. Es gab auch einen wunderbaren Ahorn Hain.

Als Brauner Bär eintraf, liefen sie in freudiger Stimmung den Berg hinunter und erzählten sich ihre Erlebnisse.

In der Nähe gab es einen Fairy Glen. Dieser Einschnitt am Fuße des Knockneara sollte wie ein versteckter Garten wirken. Doch sie fanden den Einstieg nicht. Sie waren wohl am richtigen Ort, aber es sollte einfach nicht sein. Blaue Feder war schon etwas enttäuscht, hatte sie sich sehr auf den Feenwald gefreut.

Sligo

Auch Sligo konnte die Enttäuschung nicht wieder gut machen. Sie parkten am Hafen und gingen im Yeatshaus essen, aber irgendwie kam keine Stimmung auf.

So fuhren sie zu ihrer Unterkunft. Die lag irgendwo im Nirgendwo, aber sie fanden sie – unter einem Krähen Horst.

Binn Ghulbain

Die Herbergsmutter Daniela war sehr lieb und zeigte ihnen den Weg an einen kleinen steinigen Strand. Dort schauten zu wie die Sonne im Meer versank. Der Abendspaziergang tat ihnen gut und auf dem Rückweg hatten sie noch einen schönen Blick auf den blauen Ben Bulben. Wenn der Knockneara mit seinen weichen Rundungen eher als weiblicher Berg empfunden wird, so kommt Ben Bulben mit seinen scharfen Kanten eher männlich daher. Zahlreiche Legenden ranken sich um diesen Berg mit seiner wundersamen Erscheinung.

Am Abend konferierte Blaue Feder mit ihrer Familie. Den nächsten Tag würden sie an Belleek vorbeifahren, wo der Bruder mit seiner Familie wohnt. Unterm Krähen Horst schliefen sie indes wunderbar und von Krähen wurden sie auch am nächsten Morgen geweckt.  

– Nun ging Blaue Feder mal in die Küche. In der Nacht hatte sie es rumpeln und pumpeln gehört. Es hörte sich an, als würde die Wilde Hilde im Schornstein feststecken. Grad fliegen die Krähen an ihrem Fenster vorbei. Ein neuer Tag beginnt.

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