Tanz der Grauen Reiher

Der Ringzauber zeigte schon langsam seine Wirkung. Blaue Feder fiel mehr und mehr aus der Zeit. Doch erinnerte sie sich an den 4. Dezember, den Tag der ‚Borbeth‘ oder ‚Barbara‘.

In der Geborgenheit ihres wärmenden Schoßes tauchte sie in die Anderswelt.

Im Tal der BroklandSau oder wollte sie lieber sagen Im Tal der ‚Ulra‘ und ihren alten Namen wiederbeleben, regnete es. Gestern war schon ein Hauch von Schnee ins Tal geweht. Blaue Feder hüpfte kurz in den Garten und bat ihren kleinen Apfelbaum um einen Zweig. Als sie unterm Apfelbaum stand, sah sie sich kurz auf der Apfel-Insel stehen – wie einst in Irland. Nun hockte sie mit großen Augen vor ihrem Zweig und schaute, ob er in der Wärme des Hauses erblühte und tauchte wieder in ihre Elfen-Geschichte.

Fortsetzung ‚The Tri-coloured House‘ 17

Am frühen Morgen wurden sie von Fynn, dem Hund des Hauses geweckt. Nach vielen Streicheleinheiten und einem wunderbaren Frühstück, fuhren sie auf der Sky Road direkt in den Himmel. Oben angekommen, nahmen sie mit einem atemberaubenden Blick über den Atlantik Abschied von der Clifden Bay.

Irgendwie hatten sie es eilig. Sie machten nicht viele Halte. Eine kindliche Vorfreude auf Achill Island ließ ihre Knochen singen. Es fühlte sich an wie Weihnachten. Sie warteten auf das Glöckchen, das erklang, wenn sich die Tür öffnete und sie den hell erleuchteten Weihnachtsbaum sahen.

Sie waren auf dem Weg nach Keel. Es fühlte sich an, als würden sie nach Hause fahren. Sie waren noch nie dort gewesen und doch war da dieses Gefühl. Manchmal hört man den Namen eines Ortes, eine Tür öffnet sich und eine Erinnerung träumt sich hoch wie aus fernen Zeiten. Kennt Ihr das?

Brauner Bär hatte sich aus der Reiseplanung rausgehalten, nur in Keel auf Achill Island, da wollte er zwei Nächte bleiben. Keel, das so klang wie Kiel, wo er geboren war.

Es war kein Weihnachtsbaum, den sie sahen, es war ein Rag Tree. Der Feen-Baum, stand irgendwo im Nirgendwo, direkt am Straßenrand – ein Wunschbaum – ein alter Weißdorn, mit Stoffstreifen behängt. Meistens ist eine Quelle in der Nähe, in der die Menschen Stofffetzen tauchen, um sie mit einem Gebet an die Göttin oder der Fee in den Baum zu hängen. Hier halten die Menschen inne und hängen ihre Wünsche und Gebete in den Baum.

Blaue Feder saß einfach eine Weile bei dem alten Weißdorn, der sie an ihren alten Weißdorn im Tal der BroklandSau erinnerte. Sie grüßte das Wollgras, das ihr von der Heimat der Wollsammlerinnen erzählte. Bist du schon mal einer Wollsammlerin begegnet? Manchmal hängen ein paar Fäden aus ihrer Tasche. Nimm einen Faden auf und schaue, wohin er Dich führt.

Nur noch eine Brücke und sie landeten auf der Halbinsel Achill Island. Bei Achill Sound querten sie die Brücke und tauchen in eine wunderbare Landschaft von Bergen, Seen, wilden Mooren und Sandstränden. Sie sahen die dreifarbigen irischen Häuser, die wie kleine Farbtupfer in die Natur gemalt waren. Die Häuser mit weißen Wänden, einer roten Tür und einem schwarzen Dach erinnerten an die Große Mutter.

Die Weiße, die im Frühling die Natur aufweckt. Die Rote, die uns wie eine liebende Mutter in ihrem Sommerhaus versorgt. Die Schwarze, die alte Weise, die am Abend am Feuer mit einer Geschichte auf uns wartet. Golden leuchtet das dreifarbigen Haus in der Nacht und weist den Menschen ihren Weg.

Blaue Feder und Brauner Bär erreichten das ‚Bervie‘, eine Herberge direkt am Strand von Keel am frühen Nachmittag. Elizabeth und John begrüßten sie herzlich und waren ihnen gleich vertraut. Die beiden Herbergs-Eltern hatten von ihren vielen Reisen Kunstschätze mitgebracht und damit liebevoll ihr Haus eingerichtet. Die Herberge ist ein Traum. Während Elizabeth den Reisenden das Haus zeigte, verschwand John in der Küche. Er ist ein wunderbarer Koch, der mit Blumen und Kräutern ein feines Essen zaubert.

Blaue Feder wusste um eine heilige Quelle am Strand von Keel und Elizabeth erzählte ihr, sie sei auf der anderen Seite der Bucht. So schnappten sie sich ihre Sonnenhüte und gingen an den Strand. Der Strand war atemberaubend schön.

Am Strand tanzten zwei Gaureiher ihren Tanz. Sie schauten zu und tanzten sich hinein in einen weiten Raum. Blaue Feder stand lange am Meer und schaute hinaus. Es war zur Zeit der Neuen Mondin im Krebs. Ein sanfter Nebelschleier hüllte die ganze Insel ein. Sie kam sich vor wie in Avalon und es fühlte sich an wie Heimkommen. Sie sah eine Insel in dem weiten Raum und wusste, hier war sie zuhause. Es war eine Insel in ihrem Herzen.

Das Meer rief sie, sie tauchte in das salzige Wasser und wurde eins mit dem Meer.

Sie entschieden sich die heilige Quelle am kommenden Tag zu besuchen. Am Abend suchten sie im Dorf einen Pub. Es war ein sehr armes Dorf, es gab nicht viel zu sehen. Einzig die blühendes Callas in den Gärten hatten etwas Zauberhaftes. Doch jenseits des Nebels war der Reichtum auf den inneren Eben zu spüren. Irgendwie war dieser Ort verwunschen. Eine bleierne Müdigkeit senkte sich in ihre Glieder und sie gingen heim, fielen in ihrem schönen Zimmer am Meer sofort in einen tiefen Schlaf.

6 Kommentare zu „Tanz der Grauen Reiher

  1. Für die Winterausgabe dieses Jahr hatte Kristin schon eine Geschichte. Ich habe ihr grad einige Geschichten geschickt und geplant war, dass im kommenden Jahr in jeder Ausgabe – Frühjahr – Sommer – Herbst und Winter – eine Geschichte von mir zu finden ist. Ich bin mal gespannt. Noch habe ich keine Rückmeldung.

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