Fäden ins neue Jahr gesponnen

Das Alte Jahr ist noch nicht ausgeklungen, da fragte schon das Neue Jahr an, ob es Pläne gibt.

Der KunstGriff möchte wissen, ob sie wieder mitmachen. Sie haben mal den Sturm durch ihr Hirn wehen lassen. Dabei ist ein offenens Atelier am 21. und 22. August 2021 herausgekommen unter dem Titel ‚D/Torf-Geschichten‘. So können sie sich vielleicht auch ihren Hochzeittag besser merken. Damit hatten sie es beide nicht so.

Die Zeitschrift Holunderelfe möchte wissen, ob Blaue Feder nächstes Jahr wieder Geschichten veröffentlichen möchte. Sie wollte schon gerne, aber schaffte sie das zeitlich? War da nicht auch noch das eigene Buch, das sie gerne bis zum offenen Atelier in einer Druckfassung vorliegen haben wollte?

Auch musste Blaue Feder dem Braunen Bären immer rechtzeitig die Urlaubstage aufschreiben, sonst verbaselte er es, sie in der Firma einzureichen. Damit verbunden war auch die Frage, ob sie irgendwohin verreisen konnten oder wollten? Ein wenig lachte sie das Fischland an. Ein Sommerhaus musste auch rechtzeitig gebucht werden.

So viele Entscheidungen standen an und Blaue Feder kam ganz erschöpft von der Arbeitswoche heim. Eigentlich wollte sie nur noch die Decke über den Kopf ziehen. Grad hatte sie das Gefühl, ‚ALLES‚ war zuviel.

Sie entschied sich erst einmal auszuschlafen. Morgen sah der Tag schon anders aus. So war es auch! Der Sturm legte sich und Blaue Feder wachte mit Sonnenschein auf. Der Kater kam zum Kuscheln und berührte ihr Herz so sehr, dass sie erst einmal weinen musste.

Dann ging sie in den Garten wie sie es immer tat. Der Rosmarin blühte. Warum er im November blühte, wusste sie nicht so recht. Aber Rosmarin-Bäder taten ihr immer gut und so pflückte sie sich ein paar Stiele. Es blühten noch viele Ringelblumen und die Kapuzinerkresse war auch noch eifrig dabei. Dann sah sie, die Brummbäre, die sie im letzten Jahr gepflanz hatte, trug ihre ersten Früchte. Vier Beeren hingen an dem kleinen Strauch. Sie waren reif und lecker.

Sie nahm erst einmal Bad mit dem Blauen Walfisch und ließ die Woche hinter sich. Sie tat immer etwas Honig und Milch ins Badwasser. Ab und an mal gönnte sie sich das Paradies.

Nach einem leckeren Frühstück ging sie ihre Runde. Sie wollte mal schauen was ALLES war und ob sie ALLES vielleicht ein bisschen unterscheiden konnte. So stellte sie ihre Frage auf der Schwelle und wollte schauen, was ihr die Natur sagte. Zuerst sah sie die Tigerin im Vogelhaus. Die kleine Schwester vom Kater sah auch nicht ganz so glücklich aus.

Als sie zum Ringreiterplatz kam, sah sie eine leer Kiste an einem Baum angelehnt. Ja, mal schauen, was sie ALLES in ihre Kiste hineinlegte und was vielleicht auch nicht. Dann sah sie, das Geisterhaus war verschwunden. Nur ein dicker Stein war übrig geblieben. Auch den schönen Ilex hatten sie abgeholzt – wie schade. Blaue Feder hatte schöne Geschichten mit dem Geisterhaus erlebt. Ein paar Mondtaler standen verloren auf dem Grundstück und erinnerten sie an ihre Mondtaler-Geschichte.

https://blauefeder.home.blog/2019/11/29/das-geisterhaus/

Sie würde das Geisterhaus vermissen. Sie mochte solche Orte, die irgendwie aus der Zeit fielen, die sich nicht anpassten. Vermutlich würde hier ein schickes neues Haus gebaut, womöglich im ‚Toskana-Stil‘. In ihren Erinnerungen und Geschichten würde das Geisterhaus weiterleben.

Blaue Feder ging weiter ihren Weg. Die Sonne schien und sie musste sich entscheiden, ob sie rechts oder links ging. Irgendwie war ihr heute ALLES zu laut. Mit ihr war ein junges Paar aufgebrochen. Blaue Feder hörte sie reden und wäre gerne allein gewesen. Sie ließ sich schnell ablenken. Konnte sie nicht einfach bei sich bleiben? Im Hintergrund hörte sie die Jäger schießen. Auch ein Geräusch, das sie nicht mochte – schießende Gewehre. Die Rehe auf der Wiese schien es nicht zu stören.

Die Graue saß in Ruhe am Schlangensee, als wäre nichts. Die Sonne spiegelte sich im Wasser. Sie ließ das junge Paar vorbeiziehen und genoß die Sonne. Sie fand ein paar Samen-Puschel. Sie wusste nicht, von welchem Strauch sie waren.

Blaue Feder ging weiter zum wilden Wäldchen mit dem alten Weißdorn. Zusammen saßen sie eine Weile auf der Bank, rauchten eine Pfeife und baumelten mit den Beenen und Blaue Feder erzählte ALLES, was anstand. Sie sah ein paar Samen fliegen. Nicht alle Samen würden Früchte tragen. Die Jäger fuhren in ihren Geländewagen an ihrer Bank vorbei und grüßten freundlich – auch das noch!

Die Alte vom Weißdorn hatte in Ruhe zugehört. Sie schlug ihr vor: ‚Geh doch mal zur Alten Holler. Die kann Dir bestimmt mit der Holunderelfe weiterhelfen.‘

Blaue Feder bedankte sich. Einfach mal eine Runde zu quatschen, hatte schon gut getan.

Auf dem Weg zur Alten Holler sah sie einen Bussard seine Kreise ziehen. Etwas lag am Wegesrand, das glänzte wie Gold, war aber keines. Sie kam bei der wilden Kirsche vorbei. Sie umarmten sich. Blaue Feder hatte sie dieses Jahr garnicht blühen sehen. Manchmal lief das Jahr so schnell an ihr vorbei. Die Kirsche fragte, ob sie nicht beides machen könnte, ihr eigenes Buch und für die Holunderelfe schreiben. Sie hätte ja auch zwei Stämme. Blaue Feder schaute hoch. Ja, vielleicht konnte sie das.

Sie kam an den Kräuterweiden vorbei. Ach manno, da war ja auch noch die Kräuter-Ausbildung. Die hatte sie ja ganz vergessen. Da brauchte es auch eine Entscheidung. Die fiel Blaue Feder besonders schwer. Sie mochte die Beifuß-Frau sehr. In den Kräuterweiden saß der Kleiber und schaute mit ihr zusammen das Ding von allen Seiten an. Wenn sie die ganze Woche in der Großen Stadt gearbeitet hatte, hatte sie meist keine Kraft und Lust auch am Wochenende in die Große Stadt zu fahren. Auch hatte sie den Eindruck, sie hatte hier alles, was sie brauchte. Jahr für Jahr wurde sie zu einigen Kräutern geführt, die für sie wichtig waren. So gesehen, kam die Kräuterausbildung wohl nicht mit in die Kiste. Vielleicht war Blaue Feder doch etwas mehr Künstlerin und Geschichten-Erzählerin, als eine Kräuterfrau.

Dunkel stand der alte Tannenwald vor ihr. Ein Spindelstrauch riet ihr, sich zu zentrieren.

‚Bleib in Deiner Mitte!‘

Ein Buntspecht lockte sie hinein. Der alte dunkle Wald sah nicht so lebendig aus, aber auch hier gab es Leben. Sie sah Eichhörnchen, Kleiber, den Buntspecht und zwei Greifvögel. Doch auch der Tod war auf vielen Rupfplätzen präsent.

Blaue Feder fand einen Zollstock im Sonnenlicht. Wieviel Zentimeter passen eigentllich in so ein Jahr? Es war wohl eine Frage des richtigen Maßes. Blaue Feder machte ja gerne mal zuviel. Was war ihr richtiges Maß?

Da stand sie schon bei der alten Holler. Sie war in Gesellschaft eines Farnwedels.

Kopf an Kopf unterhielten sie sich.

Für eine Zeitschrift zu schreiben, die meinen Namen trägt, ist eine Ehre‚, sagte sie. ‚Mach Dir keine Sorgen, es ist alles da!‘

Ihre Worte klangen in Blaue Feder nach. So hatte sie das noch nicht gesehen. Ja, das stimmt, eine Zeitschrift, die die alte Holler ehrte, war etwas Feines – also rinn in die Kiste.

Auf einer Wiese blühten noch viele Schafgarben dem November zum Trotze. Letztendlich müssen wir selbst herausfinden, was uns gut tut und was unser Haus zusammenhält. Auch die Natur nahm Blaue Feder die Entscheidungen nicht ab. Doch die Gespräche mit den alten Bäumen hatten ihr gut getan. Sie war nach dem Spaziergang etwas klarer und die frische Luft hatte ihr gut getan.

Sie schaute abends mal in der Weltenkiste nach einem kleinen Sommerhaus auf dem Darß. Sie fand tatsächlich eine liebevoll eingerichtete Künstlerwohnung wie gemacht für zwei Künstlerherzen mit einer großen Terasse mit Blick auf den Bodden, die auch noch ihrem Geldbeutel entsprach. Eine Woche ins Fischland auf den Darß, das konnten sie sich schön ausmalen. So buchte sie einfach die kleine Wohnung ins Blaue hinein. Allein die Vorfreude war es wert und sie hörte schon die Kraniche rufen.

2 Kommentare zu „Fäden ins neue Jahr gesponnen

    1. Liebe Sigrid,
      das war denn wohl doch ALLES etwas viel.
      Die Blaue Feder hat sich doch ein paar Tag ins Bett legen müssen.
      So blieb auch der Spaziergang unveröffentlicht.
      Heute habe ich ihn mal aus seinem Dornröschenschlaf geholt und mich dazu.
      Liebe Grüße nach Fischerhude

      Gefällt 1 Person

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