Drei Äpfel

Eines Morgens schnappte sich Blaue Feder einen Apfel
und los ging die Reise. Sie fühlte sich erleichtert. Sie hatte das
Heckenrosenbuch abgeschlossen und es war rund. Sie freute sich. Nun wollte sie sich
etwas Zeit für sich nehmen.

Die Oktober-Sonne schien am Morgen golden in ihr
Zimmer und lockte sie heraus.

Es wohnte eine neue Töpferin im Dorf. Sie hieß wie sie Susanne, das konnte sich
Blaue Feder gut merken. Sie hatten sich schon beim Offenen Atelier kennengelernt. Ein Pilz lachte sie an und vieles mehr.

Auf der Hecke zum Rosen-Hof lag ein Apfel. Da hätte sie sich ja gar keine
einstecken müssen.

Sie kam bei den Fetten Hennen vorbei. Den Weiblick der Fetten Henen haben, das wäre fein.

Eine große Runde wollte sie heute gehen. Es stürmte ganz schön und nicht nur weiße
Wolken flogen am Himmel.

Heute lud sie der Silberreiher ein, eine Runde
mit ihm zu gehen. Eigentlich war es nicht nur der Silberreiher. Schon
ein paar Jahre sah Blaue Feder immer wieder einen Silberreiher zusammen mit einem
Graureiher. Sie waren ein Paar. Reiher leben wohl oft monogam. Eine so
langanhaltende Beziehung zwischen einem Silberreiher und einem Graureiher war vielleicht
ungewöhnlich – vielleicht auch nicht?

Am Wegesrand fand sie eine Wurzel. Es war wohl eine Weidenwurzel. Sie las gerade
das Buch ‚Ein Mädchen namens Willow‘. Das war wie für sie geschrieben. Sie liebte
Bücher, die mit einfachen Worten viel sagten. Wenn ihr wissen wollt, wie ihr einen
Wald retten könnt, müsst ihr unbedingt Willows Spuren folgen.

Ihre Wurzel erinnerte sie an einen Fischotter. Früher hatte es im Moor Fischotter gegeben.
Seit ein paar Jahren hatte sie keine Spuren mehr gefunden. Blaue Feder wünschte
sich von Herzen, sie würden wiederkommen.

Das Laub färbte sich schon rot.

Es waren diesen Morgen schon viele Angler im Moor und so verzog sich Blaue Feder an einen
versteckten See, wo sie einst das Sumpfblutauge gefunden hatte. Dort stand ein Männlein im Roten Mantel. Blaue Feder fing an zu
singen:

Ein Männlein steht im Walde
Ganz still und stumm,
Es hat von lauter Purpur
Ein Mäntlein um.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald’ allein
Mit dem purpurrothen Mäntelein?

Das Männlein steht im Walde
Auf Einem Bein
Und hat auf seinem Haupte
Schwarz Käpplein klein.
Sagt, wer mag das Männlein sein,
Das da steht im Wald’ allein
Mit dem kleinen schwarzen Käppelein?

Doch war es ein Rätsellied. War es nun der Fliegenpilz oder die Hagebutte, der/die da steht im Wald allein? Das schwarze Käppelein könnte ein Indiz für die Hagebutte sein. Was meinst Du?

Wie auch immer, gesellte sich Blaue Feder zu dem Fliegenpilz. Sie setzte sich ins weiche Gras und schloss die Augen. Fliegenpilze heißen nicht Fliegenpilze, weil die Fliegen auf ihnen
sitzen, sondern weil Du mit ihnen fliegen kannst. Aber bitte nichts vom Pilz naschen, sie sind giftig. Einfach nur hinsetzen und Augen zu.

Schon nahm der Pilz sie mit auf eine kleine Reise. Sie flog auf dem Rücken des Silberreihers
direkt in die goldene Oktober-Sonne. Silber und Gold wurden eins in ihrem Herzen.
Das fühlte sich ganz wunderbar an und Blaue Feder verweilte einfach in dem warmen Glanz.

Der Pilz sagte ihr dann noch, sie sei sehr fleißig gewesen und solle sich
etwas ausruhen.

Blaue Feder bedankte sich für die schöne Reise und ging ihren Weg weiter.

Als sie den Martins-Steg querte und sich eine Weile auf den Steg setze, und mit den Beinen baumelte, sah sie wieder den Silberreiher und hinter ihm versteckt den Graureiher. Blaue Feder freute
sich. Sie begleiteten Blaue Feder wohl auf ihrer Runde.

Sie schlug sich einen Weg durchs Schilf und landete auf dem Alten Weg.

Der Zauberwald lud sie ein paar Mal ein einzutreten, aber irgendwie war ihr heut nicht
nach neuen Abenteuern. Doch das machte nichts, denn auch auf den alten Wegen
findet sich immer wieder Neues.

So traf sie einen grünen Frosch. Da sie nur auf den Boden schaute, sah sie den Bussard im Baum nicht. Er flog auf und drehte dann seine Runden um Blaue Feder, als sie den Wald verließ.

Sie kam an den Kormoran-Bäumen vorbei und ging zur Kuhle 13. Hier hatte sie einst ihre Geschichte zum Blauen Vogel gefunden.


Der Boden war noch ganz warm und sie setzte sich an die Kuhle. Sie aß den Apfel vom Rosen-Hof, mei, war der süß und lecker. Er sah nicht so toll aus, aber er war super lecker.
Eine dicke Raupe kroch über den Weg, wollte aber ihre Ruhe haben. Das konnte
sie gut verstehen. Blaue Feder brauchte momentan auch immer wieder Zeiten, wo
sie sich ganz zurückzog, um wieder bei sich anzukommen; sonst verlor sie ihre
Mitte.

Am Schwanensee machte sie das nächste Picknick. Er lag verwaist da – weit und
breit Nichts. Von wegen Nichts, die Sonne spiegelte sich im Wasser. Feuer und
Wasser verbanden sich in ihrem Herzen und Blaue Feder tauchte ganz hinein.

Dann aß sie den Apfel von Zuhause. Er war auch lecker, aber etwas herber und ein Frosch hüpfte durch das Gras.

Als Blaue Feder zur Alten Haselin kam, am See der tanzenden Birken, wusste sie irgendwie schon, was sie erwartete. Sie lachte innerlich und freute sich. Sie schloss die Augen und bekam tatsächlich einen Apfel überreicht. Er war nicht Golden und er war nicht Silber. Er war irgendwie
beides – Gold und Silber.

Nun hatte sie eine Krone, einen Apfel und sie erinnerte sich, die Schlehe
hatte ihr schon mal einen Stab überreicht. Mit ihren königlichen Insignien
schritt Blaue Feder weiter zur Grünen Bank.

Jetzt fehlte nur ein Kind, das rief: ‚Die ist ja nackt.‘

Sie setzte sich auf die Grüne Bank am kleinen Birkensee. Das war ihr Thron.
Der war schon ein wenig morsch und knarzte. Da saß sie nun mit ihrem unsichtbaren
Apfel in der Hand und die Reiher saßen im Gebüsch gegenüber und feixten sich was. Wieder saß ein Frosch zu ihren Füßen.

Es machte ihr nichts, es war ein wohlwollendes Lachen und Blaue Feder lachte mit.

Im Seerosenteich schwammen goldene Fischschuppen, aber von dem
Seerosenkarpfen war weit und breit nichts zu sehen. Nur die Schachtelhalme erinnerte Blaue Feder an ihre Sommergeschichte.

Blaue Feder ging heim. Am Ausgang des Moores flogen wieder der Weiße und die
Graue an ihr vorbei wie zu Beginn ihrer Runde. Es war alles wieder wie am Anfang, als wäre
nichts gewesen. Doch war Blaue Feder drei Fröschen begegnet, hatte zwei Äpfel gegessen
und einen geschenkt bekommen.

Beim Rosen-Hof sammelte sie noch ein paar von den leckeren Äpfeln von der
Hecke.

Sie setzte sich zur Alten Eiche. Sie sagte etwas verschlafen:

Du kannst ruhig öfters
mal wiederkommen. Dann zeige ich Dir wie Du Deine Energien zurückziehen kannst
und wie frau mit Eicheln werfen kann.‘

Blaue Feder versprach ihr, bald wiederzukommen
und zu ihren Füßen wuchs ein Löwenzahn und bezeugte es.

Das Buch hat Ulrike besprochen: https://wordpress.com/read/feeds/9725783/posts/2936851762

4 Kommentare zu „Drei Äpfel

    1. Liebe Sigrid, beinah wäre dies Wochenende bei Dir in der Nähe gewesen zum Kraniche schauen, aber nun klappt es leider nicht. Aber hier ist es ja auch schön. Herzensgrüße zurück, Susanne

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