Die Freiheit der Fetten Hennen

Mal wieder war es Bob Marley, der ihr ein Motto mit auf den Weg gab.

‚Freedom

Es gab jetzt schon viele Häuser im Dorf mit einer bunten Auswahl an Flaggen. Die Heckenrosenhaus-Bewohner am Rande des Dorfes hatten angefangen und mittlerweile viele andere angesteckt. So kann es gehen.

Geheime Zeichen fanden sich auf der Straße. Blaue Feder richtete ihren Blick auf die Fetten Hennen in Nachbars Garten.

Wollten sie ihr heute etwas erzählen?

Blaue Feder war gerade damit beschäftigt, was sie mit ihren Kinder, ihren Büchern machen wollte. Bisher druckte sie kleine Fotobücher, die jedoch sehr teuer waren. Bisher hatten ihre Geschichten-Bücher auch nur 24 Seiten. Nun hatten sie plötzlich 150 und mehr Seiten. Sie schaute sich verschiedene Möglichkeiten an, wie Books on Demand oder ihre Manusskripte bei einem Verlag einzureichen. Ursprünglich hatten sie und Brauner Bär mal die Idee gehabt, die Bücher selbst in kleinsten Auflagen zu drucken. Das lag nahe, da Brauner Bär als Graphiker in einer Druckerei arbeitete.

Sie sah sich die wunderbaren Bücher von KünstlerkollegInnen an. Immer, wenn es um das Vermarkten ihrer Kunst oder ihrer Bücher ging, bekam sie Knoten im Gehirn. Das war irgendwie nicht so ihres. Was war denn ihres? Sie liebte das Einfache und Spielerische. Sie hatte alles, was sie zum Leben brauchte. Ihre Kunst war wie das süße Sahnehäubchen oben drauf. Sie musste sich nicht den Kopf machen. Sie hatte ihren Job. Also ging es nur darum, etwas zu finden, was ihr Freude bereitete.

Blaue Feder hatte nicht so den Anspruch perfekt zu sein. Sie liebte alte schräge Häuser. Sie liebte alles, was lebendig war. Gerade waren sie in Holm gewesen, einer alten Fischersiedlung an der Schlei und besuchten dort ein altes Kloster. Gleich daneben stand eine Neubausiedlung, die hieß ‚Freiheit‘. Frei fühlte sich Blaue Feder dort nicht. Die Neubausiedlung wirkte auf sie ‚tod-schick‘.

Was war schon perfekt in der Natur? Wenn Blaue Feder etwas war, dann lebendig, aber nicht perfekt. Wie auch immer, kam sie wieder zu dem zurück, was sie ganz am Anfang vorgehabt hatte, zusammen mit Brauner Bär Kleinstauflagen zu drucken. Sie wollte einfach ein paar Bücher da haben, die sie verschenken oder verkaufen konnte. Manchmal musste sie alle Möglichkeiten durchspielen, bis sie genau wusste, was für sie stimmig war. Ist ja auch nicht so ganz einfach, bei den vielen Möglichkeiten, die es gab. Vielleicht wurden ihre Bücher krumm und schief, aber sie war frei und unabhängig. Das war ihr wohl wichtig.

Die Nebel lichtete sich langsam.

Der Weißdorn strahlte sie an im ‚perfekten‘ Rot‘ und seiner Grünkraft.

Blaue Feder schlug sich ins Unterholz und besuchte die große Alte Silberpappel.

Sie kam wieder an dem kleinen Acker der Nachbarn vorbei. Sie träumte auch von einem kleinen Acker. Auch dieser Traum entsprach ihrem Wunsch nach Freiheit, Unabhängigkeit und Selbstversorgung. Er hatte noch etwas Zeit.

Dann lachten sie die Fetten Hennen an und sie setzte sich eine Weile zu ihnen.

Sie sagten:

Wir sind klein und fett. Nicht jeder mag uns und doch blühen wir.

Mach es Dir einfach. Geh es spielerisch an. Lass alles hinter Dir, was Dich belastet. Mach es Dir leicht.

Blaue Feder lachte. Ja, sie war auch klein, fett und fröhlich. Es erinnerte sie an ein Seminar, dass sie bei Luisa Francia einst besucht hatte. Es hieß: ‚Frech, fett und frei…‚. Es musste nicht jede/r mögen, was sie machte. Wichtig war, sich selbst zu lieben und sich selbst treu zu bleiben.

Sie musste gestehen, sie hatte die Fetten Hennen am Anfang in ihrem Garten auch nicht so gemocht. Die Fetten Hennen hatten aber den Weitblick, waren genügsam und geduldig. Sie wussten, irgendwann würden sie dicke Freunde. Sie halfen Blaue Feder sich ein bisschen zu sortieren und die ganze Geschichte in einem größeren Zusammenhang sehen.

Es wehte nun ein leichter Wind und Bob Marley sang noch einmal seine Lieder.

Blaue Feder ging nach Hause. Auf dem Schwalbenhof, war auch alles schief und krumm. Sie fanden es gemütlich und waren auch ein bisschen stolz, weil sie alles selbst gebaut hatten.

In der Natur gibt es kaum perfekte Blüten und doch ist es die Natur, die uns dieses Gefühl von wahrer Schönheit gibt. Es ist die Natur, die uns wie eine liebende Mutter in den Arm nimmt und so nimmt wie wir sind. Sie bewertet uns nicht, deshalb ist es so heilsam in die Natur zu gehen.

In der Nacht hatte Blaue Feder einen Traum. Sie saß in einer neuen Künstler-Runde. Für ihren Geschmack fanden sich etwas wenig Frauen in der Runde. Es ging um das Thema, wie schwer es war, Halt in sich selbst zu finden.

Blaue Feder stand mutig auf und sagte.

Sie fände durchaus Halt in sich selbst.

Außerdem gehöre sie einer Generation an, die ihre Freiheit und ihre Unabhängigkeit liebte.

Als sie das sagte, stand eine Frau auf, stellte sich hinter sie und stärkte ihr den Rücken. Das war ein tolles Gefühl.

Der Traum war wie eine Bestätigung. Die Freude kehrte in Blaue Feders Herz zurück. Nun freute sie sich wieder auf ihre kleinen Bücher. Sie machte gerne alles selbst. Vielleicht waren ihre Bücher ein wenig wie Biogemüse, hier und da vielleicht eine Delle, aber nahrhaft, lecker und jede Seite mit Liebe gemacht.

Mit neuem Elan setzte sie sich an das Layout. Das erste Buch wird wohl das Heckenrosenbuch sein. Genau in diesem Buch geht es um diese Themen: Lebendigkeit und Selbstliebe.

2 Kommentare zu „Die Freiheit der Fetten Hennen

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