Im Land der Wiesenkönigin blühen die See-Rosen

Es war ein schöner Morgen, als Blaue Feder mit der Tigerin auf die Pirsch ging und sie zusammen im Blätterlaub verschwanden.

Die Mondin hing noch am blauen Himmel, während die blauen Glockenblumen den Tag einläuteten.

Blaue Feder spürte eine Anspannung in ihrem Körper. Sie ging wie gegen Widerstände und fragte sich, warum ihr Körper so schmerzte.

Nein, das Thema mit den Mondtalern war es nicht, Hasenfuß-Ängste und Star-Allüren waren es auch nicht! Der Wippsteert sprach vom Gleichgewicht. – Geht es vielleicht etwas genauer?

Sie setzte sich einen Augenblick auf die Birken-Bank zum Wegerich, zur Schafgarbe und zum Mädesüß und beobachtete die Rehmutter mit ihrem Kitz, das ausgelassen durch das Gras hüpfte. Vielleicht gab es ein Kraut, dass ihr gerade gut tat? Den Duft der Wiesenkönigin liebte sie sehr.

Ein Stückchen weiter am Schlangensee stand ein Prachtstück von Stinkmorchel. Seinen Duft fand sie nicht so prickelnd. Meist schon ein paar Meilen gegen den Wind konnte sie seinen Aasgeruch riechen. Dieser ‚unzüchtige Phallus‘, wie die Stinkmorchel auch genannt wurde, war wohl noch recht frisch. Sie stank nicht so. Es saßen auch noch keine Unmengen von Fliegen auf der klebrigen Kappe, die die Sporen enthielt. Die Insekten, die den Duft mochten, sorgten für die Fortpflanzung dieser Pilzblume.

Blaue Feder war dieser phallische Pilz in einer Meditation als Medizin im Kessel erschienen. Vielleicht war das nur ein Witz ihrer Seele. Lachen ist ja meist die beste Medizin. Sie würde jedenfalls keine Experimente mit diesem Ding da machen, auch wenn sie wusste, dass er nicht giftig war. Im Gegenteil, das Hexenei aus dem dieser Fruchtkörper wuchs, konnte man wie Bratkartoffeln braten. Naja, wer es mag.

Während sie nun die Stinkmorchel so betrachtete und sich weiterhin fragte, was das Ding und sie wohl gemein hatte, flogen zwei Graureiher über den Schlangensee und spiegelten sich in dem aalglatten Wasser. Blaue Feder folgte gerne dem neuen Faden. Die Graureiher landete auf zwei verschiedenen Bäumen und saßen sich auf diese Weise lange gegenüber. Dann flog ‚Er‘ los und umgarnte ‚Sie‘. Dieses Ritual wiederholte sich mehrere Male. Es war schön ihnen zuzuschauen, wie sie sich langsam annäherten. Sie waren einfach Meister des Wartens und der Meditation. In der Mitte des Sees sprang ein Fisch aus dem Wasser und zog seine Kreise. Blaue Feder hatte sich die Beine in den Bauch gestanden und zog weiter. Später würde sie die Graureiher zusammen in den Wiesen frühstücken sehen.

Die Birken riefen weiß-schwarz und Blaue Feder ging ein bisschen durch ‚ihren‘ Birkenwald und atmete tief durch. Ihr Wald erinnerte sie an die Vogelkoje auf Sylt. Eine Schnecke hing im Feengras.

Als sie wieder auftauchte lag schwarze Moorerde am Wegesrand wie ein alter Drache. Blaue Feder liebte diese schwarze satte Erde.

Der alte Drache bewachte die Seerosen, die noch schliefen. Blaue Feder wollte sie nicht wecken und schlich sich wieder davon.

Ostrohe war seit ein paar Wochen eine einzige Baustelle. Den ganzen Tag, von morgens um 7 Uhr bis manchmal abends um 21 Uhr auch samstags, war es laut. Wenn die großen Baufahrzeuge am Schwalbenhof vorbeifuhren, dann vibrierte das ganze Haus. Den ganzen Tag wurde gegraben, gehämmert und geschweißt. Ostrohe bekam eine neue Kanalisation. Selbst der Rundweg war eine einzige Baustelle.

– Nun dämmerte es Blaue Feder, warum sie so unleidlich war und nicht zur Ruhe kam, weil es überall laut war. Plötzlich fiel es ihr wie Schuppen von den Augen, dass auch sie immer noch zu viele Baustellen hatte – wie Außen so Innen. Sie hatte schon soviel aussortiert, selbst facebook war nun über den Jordan gegangen und immer noch verzettelte sie sich.

Sie würde sich noch einmal genau überlegen, was sie noch bis zur Ausstellung fertig machen wollte, was sie gut und gerne vertagen oder ganz lassen konnte. Sie hoffte nur, dass bis zur Ausstellung die Straße zum Schwalbenhof wieder zugänglich war und sie hier in ihrem Urlaub Ruhe hatten. Der Lärm machte echt mürbe.

Dann wohnte sie einer konspirativen Sitzung der Krähen bei. Was besprochen wurde durfte sie natürlich nicht erzählen. ‚Ihr‘ alter Weißdorn freute sich über ihren Besuch.

Auch in ihrem ‚Wilden Wald‘ hatte sich vieles gewandelt. Der alte Mann räumte immer noch den Wald auf. Blaue Feder fand vieles merkwürdig, was er hier trieb und doch berührte es sie, als sie sah, dass er neben vielen anderen Bäumen einen Gingko neu gepflanzt hatte.

Der Gingko ist schon seit Urzeiten, bestimmt schon 300 Millionen Jahre auf unserer Erde und zählt zu den ältesten lebenden Pflanzensorten. Er wird auch Großvater-Enkel-Baum genannt, weil er erst nach 30- 40 Jahren Früchte trägt. Der alte Mann wird es wohl nicht mehr miterleben, aber sein Enkel. Seine Blätter erinnern an Entenfüße. Der Gingko erzählte Blaue Feder von seiner Liebe zur Erde, die ihn immer wieder wachsen, heilen und heil werden lässt.

Als Blaue Feder ihren kleinen Wilden-Wald verließ, der er immer noch für sie war, fühlte sie sich wieder eins. Eins mit der alten Heilerin vom Weißdorn und eins mit sich.

Auch hier wuchs die Königin der Wiesen, der Mädesüß und sie pflückte sich ein paar Stiele. Sie würde sich Tee davon machen und ein Vollbad. Das würde ihr bestimmt gut tun. Die Glocken in Heide läuteten und Blaue Feder ging heim zu Brauner Bär zum Frühstück.

Mädesüß ist ein Rosengewächs. Sie trägt viele Namen wie Beinkraut, Geissbart, Spierstaude, Wilder Flieder, Krampfkraut, Wiesengeißbart und viele mehr. Meistens wird sie doch als Königin der Wiesen bezeichnet.

Blaue Feder machte sich einen Tee vom Mädesüß. Sie liebte den süßen Geruch. Jedes Jahr hängte sie sich einen Strauch ans Fenster, damit sie schöne Träume hatte. Der Tee roch eher etwas herb, ein bisschen wie getrocknetes Stroh, aber nicht unangenehm. Sie nahm ein paar Schlucke und merkte wie es ihrem Magen wohl tat. Sie hatte den Eindruck sie konnte sich zurücklehnen in die Arme der großen Mutter. Dann tauchte sie ein wie in grüne Götterspeise. Ihr kam auch die Assoziation von einem warmen Heubad. Sie fühlte sich schwerelos und angenehm.

Mit der Nachmittagssonne kam sie noch eimal zurück und tauchte in die Stille am Seerosenteich. Nun blühten die Seerosen in ihrem Herzen wieder und ein Frosch saß in den grünen Blättern.

Ein Eichelhäher bedankte sich für die Erdnüsse und zeigte Blaue Feder die Ente mit ihren beiden Küken. Die Graue saß still am See.

Die Stille war in Blaue Feders Herz zurückgekehrt. Die Stille und die Liebe. Die Natur machte es ihr leicht sich eins zu fühlen.

Am Abend vorm Zubettgehen braute sich Blaue Feder noch ein Vollbad. Die Bauarbeiter waren endlich nach Hause gegangen. Sie kochte einige Stiele Mädesüß 15 Minuten in einem Topf auf und gab sie zum Badewasser. Sie tauchte in das grüne Naß. Nachts schwitze sie ordentlich. Später las Blaue Feder, dass Mädesüß Acetylsalicylsäure (Aspirin) enthält. Sie gehört zu den Schmerzmitteln, die uns die Natur bietet. Mädesüß wirkt krampflösend und schmerzstillend. Blaue Feder fiel in einen tiefen Schlaf und den kommenden Tag ging es ihr schon besser.

Nur einmal wurde sie wach in der Nacht und hörte es im Garten schnaufen. Zwei Igel hatten sich gefunden. Das sogenannte ‚Igelkarussell‘ begann. Stundenlag umkreiste das Männchen das Weibchen. So ist das wohl in der Natur, alles entwickelt sich in Kreisen und Blaue Feder freute sich schon auf viele kleine runde Igelbabys in ihrem Garten.

Achtung! Mädesüss enthält Acetylsalicylsäure.

Bei bekanter Allergie gegen Acetylsalicylsäure (Aspirin) sollte diese Pflanze nicht verwendet werden.

2 Kommentare zu „Im Land der Wiesenkönigin blühen die See-Rosen

    1. Moin, moin liebe Maren, gerade sitze ich hier, es ist Samstagmorgen, ich lausche den Baufahrzeugen und ein Eichhörnchen hüpft durch den Garten. Das Thema begleitet mich wohl noch etwas weiter, aber ich begegne ihm schon etwas gelassener – draußen wie drinnen. Herzensgrüße, Susanne

      Gefällt 1 Person

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