Ein Lied im Schwalbengrau

Grau

er-wartungs-los

sich selbst genug

annehmen, was ist

Feenspiegelblüten fielen auf die Blumen-Mondin. Eine Sehnsucht nach Verbundenheit war zu spüren. Ein kleines Blau und ein kleines Rot vereint unter dem Regenschirm.

Ein Fingerhut lächelte. Eine Schwalbe saß tropfnaß auf der Leine. Genau so fühlte es sich an. Die alte Holler stand am Fluß der Zeit im weißen Blütenkleid.

Ein Schneck küßte eine Schwertlilie. Ein Stein lag alt wie ein Stein echsengleich am Wegesrand. Der Schlangensee rief.

Im Lichte der Disteln zogen Nebelgeister ihre Kreise.

Dann ein Lichtblick – wenn Blaue Feder traurig war, ging sie zur Alten vom Weißdorn. Kopf an Kopf standen sie da und die Graue flog mit ihr auf eine Insel.

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht wie die kleine Maus, die sich unter den Blättern versteckte. Sie hatte in der Woche in dem Zauberladen einer Holzkünstlerin einen Wecker mit einer Insel darin entdeckt. Wenn er nächste Woche noch im Schaufenster stand, würde sie ihn kaufen – Mondtaler hin oder her.

Blaue Feder bedankte sich beim Alten Weißdorn und floß weiter sich selbst genug.

Die Baumfrau zeigte ihr zwei Wege. Es fiel ihr leicht sich zu entschieden, das Grau hatte nicht so große Erwartungen. Ihre Füße waren mal wieder naß. Es erinnerte sie an die Haubentaucherfeengeschichte.

Im Frühjahr hatte sie die Goldenen Glocken am Grunde des Großen Mondsees läuten hören. Sie war voller Euphorie gewesen, sah sich alles wandeln. Dann kamen die Ent-täuschungen trockenen Fußes daher. Nun war es an ihr, anzunehmen, was ist.

Die Blumen-Mondin brachte wohl eine Mondfinsternis mit sich. Welchem Schatten begegnete Blaue Feder?

Wie dem Hirsch begegnen, der ein Bad in ‚ihren‘ Wiesen nahm. Sie schreckte ihn auf und er machte sich vom Acker. Blaue Feder blieb traurig zurück.

Achtsame Grenz-Begehungen.

Welches Lied würde sie weitersingen?

Eine letzte Blüte des Wilden Apfelbaumes erinnert an die Apfelinsel. Einst stand Blaue Feder am Strand im Land ihrer Mutterseele und schaute hinaus aufs Meer. Dort gab es eine Insel. Dort war sie Zuhause.

Die Alltagsschuhe im Boot zurücklassen, barfuß ans Ufer steigen. Stille breitet sich aus. Vielleicht singt hier und dort ein Vogel ein Lied im Schwalbengrau.

So viele Bilder und Worte zu sagen: ‚Die Insel ruft.‘

Sie würde am Abend in den Garten zur alten Holler gehen und ein paar Stofffetzen in den Wind hängen. Weiße für die Tagesgeister. Gelbe für die Sonne. Grüne für die Pflanzen. Blaue für die Geister der Luft und des Wassers und Rote für die Tiere. Sie hatte keine Schwarzen Bänder für die Nachtgeister. Doch die Gebete standen in schwarzer Schrift auf den kleinen Tibetischen Fahnen. Vielleicht taten die Gebete der alten Holler mit den Läusen gut.

‚Mögen alle Wesen glücklich sein.‘

Die Blumen-Mondin ruft und Blaue Feder taucht jetzt in die Stille.

2 Kommentare zu „Ein Lied im Schwalbengrau

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