Ein Knopf und andere Geschenke

Fortsetzung ‚The Tri-coloured House‘ 11

Bald schon wurde die Trauerfeier gefeiert. Der Redner brachte es auf den Punkt: Wildes Herz hatte ein erfülltes und schönes Leben. Er drückte es auf passende Weise aus: ‚Sie war eine Dufte Type‘.

Nach der Trauerfeier fand sich die Familie in ihrer Wohnung wieder und jeder durfte sich ein Andenken mitnehmen. Das wäre wohl in ihrem Sinne gewesen. Blaue Feder war etwas schüchtern, doch dann sah sie eine kleine Ikone mit der Schwarzen Madonna an der Wand hängen und fragte, ob sie diese mitnehmen durfte. Sie durfte und sie steht noch heute auf ihrem Altar.

Dann kam der Alte Vater und drückte ihr eine Dose in die Hand. Blaue Feder schaute hinein. Es waren die Knöpfe von Wildes Herz. Blaue Feder liebte Knöpfe und strahlte den Alten Vater an. Diese Familie war einfach wunderbar. Wie sie alle zusammenhielten. Es war ein schönes Miteinander. Sie saßen alle beisammen und besprachen wie sie die Wohnung auflösen konnten. Wer, was machen könnte und wer, was bekam.

Am Abend ging Blaue Feder in ihr Atelier und öffnete die Knopfdose. Die gleichen Knöpfe waren alle liebevoll mit einem Bindfaden zusammengebunden. Das berührte Blaue Feder sehr und sie dachte voller Liebe an Wildes Herz. Sie weinte. Brauner Bär kam ins Atleier und sie nahmen sich in den Arm.

Zwischen all diesen Knöpfen lag ein winzig kleiner Engel aus Holz und ein Fingerhut. Beide kamen in eine ihrer Schatzkisten zu dem Fingerhut ihrer Mutter und ihrer Oma gleich über ihrem Nähplatz.

Grad blühen die Fingerhüte in Blaue Feders Garten. Ein Gruß der Ahninnen weht herüber, die sie einst am Finger trugen und fleißig ihre Geschichten webten.

Zwischen all den Knöpfen, gab es einen Knopf aus Messing, den Blaue Feder besonders schön fand. Sie dachte, es wäre ein vierblättriges Klee darauf abgebildet; vielleicht war es auch ein keltischer Schmetterling.

Blaue Feder nahm den Knopf und bastelte sich daraus eine kleine Kette. Diese sollte sie auf ihrer Irlandreise begleiten. Sie würde auch einen Fingerhut mitnehmen. Weiß sie denn, ob sie vielleicht ein Geschenk unterwegs braucht. Außerdem nahm sie eine kleine Schere mit, Nadel und Faden; so wie sie es geträumt hatte. Sie hatte von leichtem Reisepäcks Gepäck geträumt, aber Nähsachen waren wichtig. Wer weiß, vielleicht musste sie ja unterwegs einen Schatten annähen. Weiß sie denn, was sie auf einer Reise ins Land der Elfen und Feen erwarten würde?

Blaue Feder vertraute darauf, es würde auf ihrer Reise alles passieren, was passieren sollte. Sie hatte gelesen, wer ein vierblättriges Klee fand, der konnte die Elfen sehen. War ihr Knopf vielleicht so ein vierblättrige Kleeblatt? Würde sie in Irland Elfen sehen? Sie band sich den Knopf um den Hals, denn bald schon würde die Reise losgehen.

Von einer lieben Freundin hatte sie erfahren, dass bei Peter Pan ein Knopf und ein Fingerhut Küsse waren. So kam sie auf die Idee mal Peter Pan zu lesen. Sie konnte sich nur noch vage an die Geschichte erinnern. Sie las auch nur den Anfang und denn bald würde die Reise losgehen. Das Buch ließ sie daheim.

Sie nahm aber spontan eine anderes mit und las im Flugzeug das letzte Kapitel. Es hieß: „Heimkommen – Im Land der Mutterseele“. Dieses Kapitel aus dem Buch ‚Heilung im Raum der Göttin‘ von Gertrude R. Croissier berührte sie sehr. Eine Ahnung stieg in ihr hoch, eine alte Wunde würde heilen.

Dieses Kapitel wurde eingeleitet mit Worten aus der Geschichte: ‚Der König und die Wilde Frau‘ von Luisa Francia aus ihrem Buch ‚Zaubergarn‘ von 1989 :

‚Er sah, wie sie mit den Bäumen sprach, wie sie sich an einen Baum schmiegte, bis sie das Aussehen eines Baumstammes annahm und nun nicht mehr von ihm zu unterscheiden war.

Er sah sie, über die Quelle gebeugt, wie ein Bild im Wasser zerfließen.

Er sah sie rufen und singen auf einem Felsen und versteinern, und als sie sich abends zum Schlaf niederlegte, wurde sie ein Teil der Erde, braun und satt, bewegte sich nur wenig und wuchs am Morgen als Blume aus dem Boden.‘

4 Kommentare zu „Ein Knopf und andere Geschenke

  1. weißt du, das spricht mich sehr an, was du von den fingerhüten, den knöpfen sagst, und weckt in mir manches auf: das nähzeug, nähen, fädeln – ja, eine frauensache ist das doch, obschon es ja nicht nur schneiderinnen, sondern auch schneider gibt.
    der vater meiner mutter war schneider.
    aus seiner werkstatt (die im grunde gar nicht viel mehr und nix anderes als der esstisch in der wohnstube war) verwahre ich noch garn- und fadenrollen aus holz, und eine große schüssel knöpfe (ich LIEBE knöpfe!), teils mit stoff überzogen, sehr alt … auch die knöpfe meiner mutter sind in dieser schüssel – naja, und ich sammle weiter 😉
    vielleicht wird eine enkeltochter einst sie übernehmen, wer weiß.
    leider hab ich den fingerhut meiner mutter, also den, den sie allermeist benutzte (sie hatte mehrere), nicht retten können. aber ein nadelpolster hab ich von ihr, das ich sehr ehre.
    nun hab ich ein bisschen aus meinem nähkästchen geplaudert. 😉
    danke, liebe susanne, dass du mir mit deinem text diese erinnerungen beschert hast.
    hab es gut!
    ❤ pega

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Pega,
      ich weiß gar nicht, ob das nur Frauensache ist. Ich bin ja mehr oder weniger am Theater groß geworden und habe so viele wunderbare Männer kennengelernt, die das Zaubergarn woben. Knöpfe sind einfach wunderbar. – Es freut mich, wenn meine Texte Erinnerungen freisetzen. Es sind ja auch Erinnerungen, die ich versuche in Worte zu kleiden.
      – Es ist lustig, ich brüte gerade über den Feengeschichten. Ab und an hohle ich sie hervor und finde es spannend wie sich das Zaubergarn durch die Monate spinnt. Ein paar der Feen habe ich aufgespürt. Magst Du mir irgendwann einmal verraten, in welcher Nacht Du den Faden gesponnen hast?
      Herzliche Grüße, Susanne

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      1. oh ja, liebe susanne – die feengeschichten!
        also, in der 10. raunacht trat i ein, yemayerba.
        du hast den faden in der hm-hm-hm-nacht ziemlich am anfang gesponnen, i denke, ich weiß es, aber darf ich es hier hinschreiben???
        gut, dass du das feenspiel erwähnst! es ist gut, den fäden hie und da nochmal nachzuspüren, ich vergesse sie im alltagsgetümmel …
        liebsten gruß gen norden!
        pega

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      2. Oh, wie freut sich mein Herz, Dich in Deinen Worten wiedergefunden zu haben. Es konnte nur dieses Lied sein und doch war ich ich mir nicht sicher. Schon wieder weine ich. Ich weine dieser Tage viel, zusammen mit dem Regen und es ist gut so. Wünsche Dir einen schönen Blumenmond

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