La Blue Belle

Fortsetzung ‚The Tri-coloured House‘ 9

Dicke weiße Wolken zogen über das weite Land. Wolken, die zum Träumen einladen. Die ersten Teichmummeln steckten ihre Köpfe aus dem Wasser und grüne Seerosenblätten leuchteten im blauen Wasser. Die Trauerseeschwalben waren heimgekehrt ins Moor und mit ihnen ein Gefühl der Zufriedenheit. Ihr leichter Flug erzählt davon, allen Ballast abzuwerfen und einzutauchen ins Sein. Sie erzählten aber auch von der Trauer, die der Leichtigkeit voranging.

Die Hasenglocken erklangen und kündigten einen neuen Gast auf dem Schwalbenhof an. Der Wonnemonat Mai war fortgeschritten und die Venus war mit ihrem Füllhorn über das Land gezogen. Die Natur erstrahlte in Hülle und Fülle. In den Wäldern und Gärten blühte das blaue Hasenglöckchen. Es wird auch ‚Bluebell‘ genannt.

Die Fülle beschäftigte Blaue Feder. Sie war über die Jahre etwas runder geworden. Die innere Fülle spiegelte sich im Außen. Die runden Formen vermittelten ein Gefühl von Wohligkeit, Wärme und Lebensfreude. Doch war es so nicht immer. Sich im eigenen Körper zuhause fühlen, war für Blaue Feder ein langer Weg, der wohl noch nicht zu Ende gegangen war.

Auf die Sprache des eigenen Körpers zu hören, war in ihrem Fall mit vielen Schmerzen verbunden. Blaue Feder hatte einen sehr sensiblen Körper, der auf alles reagierte. Schon als Kind setzte er ihr Grenzen. Irgendwie reagierte er allergisch auf das Wort ‚Leistung‘. Blaue Feder konnte als Kind gut Turnen, also kam sie in die Leistungsriege des Turnvereins. Doch schon nach kurzer Zeit, kam sie weinend mit dicken Knien und Füßen nach Hause. Blaue Feder tanzte für ihr Leben gerne. Doch trieb sie es auf die Spitze, fing ihr Körper an zu schmerzen. Es war und ist ein langer Weg für Blaue Feder, das richtige Maß zu finden. Ihr Körper half ihr dabei.

Als kleines Kind wurde sie verschickt, weil sie zu klein und zu dünn war. In jungen Jahren hatte sie immer das Gefühl zu dick zu sein, obwohl sie zauberhaft aussah. Sie war Männern begegnet, denen sie zu dick war, als sie noch nicht dick war. In Zeiten von Heidi Klumm gab es merkwürdige Bilder. Doch war Heidi ihr eine gute Lehrerin. Irgendwann würde Blaue Feder gerne einen Blog schreiben.‘ Mit Heidi Klumm zur Erleuchtung‘. Mit Freude den eigenen Weg zu gehen, heißt auch, sich von vielen, vielen Bildern zu befreien. Vielleicht liebte sie deshalb die Stelle sehr, wenn Heidi sagte: ‚Ich habe heute kein Bild für dich‘ und eine junge Frau nach Hause fuhr.

Jedes Alter bringt neue Herausforderungen mit sich, uns mit den Gegebenheiten unseres Körper anzufreunden. Er hilft uns das Leben so anzunehmen wie es ist. Er hält soviel aus, ist für uns da wie ein bester Freund oder eine beste Freundin. Wenn er nicht funktioniert, werden wir langsamer. Wir werfen Ballast ab und unsere Sinne erwachen. Wir kommen zur Ruhe und unser Bewusstsein kann in die tiefen Räume des Körpers sinken.

Blaue Feder merkte jetzt schon beim Schreiben, das dieses ganze Thema ihr nicht so leicht von der Hand ging wie andere Themen. Um ein Gefühl für ihren Körper zu bekommen, fing sie an eine Puppe mit ihren Maßen zu nähen, nur in klein. Sie nahm Maß und übertrug die Maße auf ihr Schnittmuster und nähte den Körper. Es war, als würde die ‚Venus von Ostrohe‘ aus dem Schaum geboren.

Es gab sehr berührende Momente bei dieser Arbeit. Als sie die Puppe fertig genäht hatte, schauten sie sich lange an. Blaue Feder hatte das Gefühl, man sah ihr an, welchen Weg sie gegangen war. Der Weg war ihr ins Gesicht geschrieben. Sie nahmen sich in den Arm, weinten und lachten.

Es tut manchmal einfach gut, sich selbst in den Arm zu nehmen. Nur wir allein können uns mit all unseren Facetten annehmen. Sich selbst zu lieben und anzunehmen, ist wohl ein wichtiger Schritt das Leben anzunehmen wie es ist. Es hat Höhen und Tiefen. Unser Körper ist wie das Land. In die Sinnlichkeit der Erde einzutauchen, brachte Blaue Feder wieder mehr in die Sinnlichkeit ihres Körpers zurück. Ihr Körper korrespondierte stark mit der Natur. Nicht umsonst denken viele Frauen zuerst an die Natur, wenn die Frage auftaucht, was sie heilen kann.

Sie fragte die Puppe nach ihrem Namen.

Ihr könnt es Euch wohl denken, sie heißt: ‚La Blue Belle‘.

So kam La Blue Belle in ihr Leben. Blaue Feder nähte ihr einen blauen Kaftan mit blauen Perlen.

La Blue Belle und Gloria mochten sich von Anfang an und traten daher gemeinsam zum Foto-Shoot im Garten an und so hat Blaue Feder heute doch ein paar Fotos für Dich.

Blaue Feder wusste es zu diesem Zeitpunkt noch nicht, mit La Blue Belle war eine wunderbare Geschichten-Erzählerin in ihr Leben getreten. Doch bald schon würde sie ihren Teppich ausbreiten und anfangen zu erzählen.

Vor nicht allzu ferner Zeit besuchte Blaue Feder ein Seminar von Luisa Francia. Es hieß ‚Fett, frech und fröhlich. Im Körper zuhause.‘ Daraus ist ein Buch entstanden ‚Im Körper Zuhause‘, das einlädt tiefer zu tauchen.

2 Kommentare zu „La Blue Belle

  1. Also bei mir fehlt nur noch das Frechsein. Diese Rolle hatte in der Ursprungsfamilie meine jüngere Schwester – und hat sie noch immer. Es wird Zeit für mich. Vielleicht mal einfach damit anfangen. Wie liebte ich die frechen Mädchen während meiner Berufstätigkeit. Und auch meine Tochter kann das wunderbar. Also, was geht…spät, doch immerhin! Danke für den Anstubser!
    Gruß von Sonja

    Gefällt 2 Personen

    1. Liebe Sonja, ja, die Jüngeren haben oft die Narrenfreiheit. Doch schlummert das Wilde Mädchen wohl in uns allen. Ich hole mir dann manchmal ‚Pippi‘ an die Seite und frage mich, was würde sie jetzt tun? Herzliche Grüße, Susanne

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s