Wo die Wilden Stiefmütterchen wohnen

Am Tag der Großen Mutter war Blaue Feder mit Liebevolles Herz unterwegs. Lange hatten sie sich nicht gesehen. Nun zogen die Freundinnen mal wieder zusammen durch die Natur und Blaue Feder zeigte alle ihre Neu-Entdeckungen.

Erst waren sie im Maiglöckchen Wald, der nun voll erblüht waren.

Sie gingen dann den Weg der Fetten Henne. Die Fette Henne sang zusammen mit dem Salomonsiegel ein weitreichendes Lied.

Sie bogen ab in den Stinkmorchel Weg und sie kletterten den Hang hinunter zum Geheimen See. Da saßen sie nun zusammen im Moos am Seeufer und beobachteten eine schwimmende Krönchennatter.

Die Schlange tauchte sogar unter und sie fragten sich: ‚Können Ringelnattern tauchen und wovon ernähren sie sich?

– Tatsächlich ernähren sich Ringelnattern überwiegend von Amphibien und Fischen und sie können bis zu 20 Minuten unter Wasser tauchen.

So kamen sie zur nächsten Frage. ‚Gibt es eigentlich Fische in einem Baggersee?‘

Sie bekamen prompt eine Antwort und sahen ein paar Fische springen.

‚Aber wie kommen die Fische in einen Baggersee?‘

Der Geheime See war eine ehemalige Kiesgrube, die sich mit Grundwasser aufgefüllt hatte. Diese war zum Glück vergessen worden und nur schwer zugänglich. So war hier ein kleines Paradies entstanden wie auch im Maiglöckchen-Wald, der wohl auch einst eine Kiesgrube war.

Blaue Feder hatte die Theorie, dass die Reiher Fische aßen und die Eier auskackten. Naja, ganz so war es nicht, aber nahe dran. Wasservögel transportieren Fischeier in ihrem Gefieder. Im Anhang könnt Ihr erfahren, was mit einem alten Baggersee passieren kann, wenn wir ihn in Ruhe lassen.

Blaue Feder und Liebevolles Herz gingen dann weiter durch den Gundermann-Weg zur Weißdorn-Wiese und sahen wie der Weißdorn anfing zu blühen und seinen wunderbaren Duft verströmte.

Eine Wiese weiter staunten sie nicht schlecht. Die ganze Wiese war voller Wilder Stiefmütterchen. So etwas hatten beide noch nicht gesehen. Eine zauberhafte Stimmung ging von der Wiese aus, als würden tausend kleine Gesichtchen einem zulächeln.

Sie hatten keinen Foto dabei und so ging Blaue Feder am kommenden Morgen noch einmal zur Wiese und begrüßte zusammen mit den Wilden Stiefmütterchen den Tag. Sie waren nicht allein – auch Distel, Schafgarbe und zwei Rehe waren anwesend.

Sie setzte sich in die Mitte der Wiese und schloß die Augen. Diese Veilchen sind so klein, aber was Blaue Feder wahrnahm war nicht so klein. Es war eher wie ein großes violett-goldenes Lichtwesen über der ganzen Wiese. Ein bisschen sah es aus wie die Lichtspiegelungen der Sonne, die Blaue Feder mit ihrer Kamera einfing.

Blaue Feder war beeindruckt von dieser Energie. Irgendwie hatte sie keine Worte für das, was sie wahrgenommen hatte und so nahm sich ein paar Blüten für einen Tee mit.

Sie ging heim. Ein Gartenrotschwanz sang ihr noch ein Lied und ein paar Lichtnelken winkten ihr zu.

Die Graue flog über sie hinweg, die Schwalben umkreisten sie und ein Fasanen-Pärchen spazierte über die Wiesen.

Daheim trank sie den wohlriechenden Tee. Es war ihr als würde ein Violetter Mantel um sie gelegt. Sie hatte mal gelesen, das Veilchen gut für die Haut waren. Die Haut ist unsere Grenze. So hatte sie den Eindruck, das Veilchen konnte grade sehr sensiblen Menschen helfen, sich ein wenig abzugrenzen. Blaue Feder entspannte sich auf jeden Fall und schlief eine Weile. Sie ließ einfach los.

Es war wieder eine ähnliche Erfahrung wie mit dem Duft-Veilchen. Vielleicht kommen uns die Veilchen einfach zu Hilfe in diesen Zeiten der Veränderung. Blaue Feder konnte ein Bad in den Wilden Stiefmütterchen jedenfalls sehr empfehlen.

Der Name der Farbe Violett kommt ursprünglich von Viola, was auf lateinisch Veilchen bedeutet. Obwohl es sich bei Violett um die Farbe mit der höchsten Lichtschwingung handelt, ist sie faszinierenderweise gleichzeitig auch die Farbe, die am meisten beruhigt.

Wir kennen die ‚böse‘ Stiefmutter aus dem Märchen wie die ‚böse‘ Hexe, aber war eine Stief-Mutter, nicht einfach eine Mutter, die einem verwaisten Kind Beistand leistete und eine Hexe ein weise Frau? In den Blütenblättern des Wilden Stiefmütterchens (Viola tricolor) finden wir auf jeden Fall die dreifaltige Große Mutter wieder, als Jungfrau, Mutter und weise Alte. Wildheit, Liebe und Weisheit verbinden sich in Harmonie.

So leben wir in einer Zeit tiefgreifender Veränderung, wo so manches neu zu schauen, zu hinterfragen und neu zu bewerten war. Blaue Feder hatte noch viele Fragen. Die Antworten würden sich wohl mit der Zeit finden.

– Die Eisheiligen zogen nun durch das Tal der BroklandSau. Es war mächtig abgekühlt und Blaue Feder fröstelte etwas. Sie wird sich jetzt mit einem warmen Tee und einem schönen Buch auf ihrem Sofa einkuscheln.

Biotop-Baggersee

https://www.swr.de/odysso/biotop-baggersee/-/id=1046894/did=15571114/nid=1046894/1wr9wqr/index.html

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