Der Wilde Garten

Alles Neue bringt der Mai. Gestern ging Blaue Feder mal wieder eine Runde ohne Kamera. Erst fühlte sie sich nackig und dann genoss sie es. Sie fühlte so ihren Körper mehr. Sie könnte mal wieder ihr Skizzen-Buch einstecken. Sie hatte Lust zu zeichnen.

Der Gartenzwerg hat es wohl schon angedeutet. Es geht nun in den Wilden Garten. Es begann mit einer Reise in das Land ihrer Mutterseele. Aus diesem Land brachte Blaue Feder die ersten Samen für den Wilden Garten mit.

Es waren weniger Blumensamen als die Idee eines Wilden Gartens. Zuerst legte sie ein kleines Wildes Beet im Westen an. Seine Samen breiteten sich weiter in den Süden aus. Nun fliegen die Samen in den Osten. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit und die Samen würden sich auch im Norden ausbreiten.

Blaue Feder war nicht mit einem grünen Daumen geboren. Die Pflanzen, die ihr früher anvertraut wurden, gingen oft ein. Meistes ertranken sie, weil Blaue Feder ihnen zu viel Wasser gab. Sie hatte eine Freundin, in deren Garten blühten alle Blumen wunderschön. Er duftete und war wunderbar anzusehen.

Einen solchen Garten hatte Blaue Feder nicht. Ihr Garten glich eher einem Atelier. Hier und da ein paar Farbklekse auf dem Fußboden. Doch sie freute sich über alles, was wuchs und blühte.

Blaue Feder machte immer weniger in ihrem Garten. Sie sah mehr zu und lernte. Am Morgen schlich sie durch den Garten wie die Katze und schaute, staunte und schnüffelte. Was war erblüht? Was wuchs wo? Wer stand mit wem zusammen und tuschelte? Oft saß sie eine Weile still im Garten und stimmte sich ein. Von wem konnte sie besser lernen als von der Natur selbst.

Es gab Vertraute und es gab Fremde. Es gab Giftige und es gab Essbare. Alle hatten ihre Bedeutung im großen Garten der Mutter. Über die Jahre hatte sie sich schon mit ein paar Pflanzen angefreundet. Die Brennnessel durfte nun überall wachsen und auch das Schwalbenkraut, schließlich wohnte sie auf dem Schwalbenhof. Schon seit einigen Tagen hatten sich die ersten Schwalbenkrautblüten geöffnet und auch die Schwalben kreisten wieder über dem Hof.

Blaue Feder machte es Freude, sich mit ihrem Garten anzufreunden. Ist es nicht der Reiz des Unbekannten, der uns weitergehen lässt?

Die erste Mohnblüte war erblüht und Blaue Feder fand eine kleine Fette Henne in ihrem Garten. Viele Pflanzen, über die sie sich jetzt freute, waren ihr früher ein Dorn im Auge. Noch vor nicht allzu langer Zeit fand sie Fette Hennen doof. Jetzt waren sie fette Freunde und lachten zusammen.

Manchmal bekämpfen wir genau das, was uns eigentlich gut tut. Blaue Feder hatte den Eindruck, dass in ihrem Garten alles wuchs, was ihr gut tat. Manchmal ging es einfach darum, einen Blick dafür zu bekommen und das Herz zu öffnen. Mal wie die Blaumeise die Perspektive verändern. Sich auf den Boden zu legen und die Welt mit Mäuse-Augen zu betrachten.

Dann steht da plötzlich ein kleine Rauke vorm Kellerfenster und schaut herein und Blaue Feder staunt angesichts ihrer filigrane Schönheit.

Schon war sie mitten drinnen im Abenteuer. Sie setzte sich zu der kleinen Garten-Senfrauke. Sie schloß die Augen und eine kleine, braungelbe Elfe oder ein Schmetterling setzte sich auf ihre Nase. Sie durfte drei Blätter probieren. Ja, sie schmeckten wie Rucola – nur sanfter. Blaue Feder hatte am Abend vorher alles Mögliche durcheinander gegessen und ihr Magen war flau und sie hatte Kopfweh. Sie spürte sofort wie die Senfrauke den Magen aufräumte und ihr Kopf frei wurde. Irgendwie kam mit der Rauke ihr Appetit zurück und sie ging durch den Garten und sammelte ein paar grüne Kräuter für eine magenfreundliche Kartoffelsuppe ein.

Blaue Feder war nun gespannt, welche Abenteuer sie in diesem Jahr erleben würde. Sie setzte wieder ihren Forscherinnen-Hut auf und ab und an würde sie wohl davon berichten.

Was Blaue Feder hier entdeckt, kann nur eine Anregung sein, Euch selbst auf eine Forschungsreise zu begeben, ob im Garten, auf der Fensterbank, im Hof, im Park oder auf dem Balkon – überall dringen Wunder aus der Erde.

Am späten Nachmittag kam die Bio-Kiste. Durch ‚Corona‘ und ‚Home-Office‘ hatte Blaue Feder die Möglichkeit das mal auszuprobieren. Die Frauen kamen ins Gespräch und wie sich herausstellte, hatten Beide an der gleichen Hochschule studiert. Es gab eine kleine Gruppe von Zeichnern, die zusammen jeden ersten Sonntag im Monat in die Natur zogen. Blaue Feder war begeistert. Sie würde sich den Zeichnern anschließen und ihnen am ersten Sonntag im Juni ‚ihr‘ Moor zeigen und mit ihnen gemeinsam dort ‚mit Abstand‘ zeichnen. Alles Neue bringt der Mai.

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