Im Reich der Sternmieren

Das Osterfrühstück gab es draußen. Blaue Feder und Brauner Bär beobachteten die Blaumeisen beim Nestbau und beim Sex auf dem Spatzendach. Ja, es ging gerade heiß her auf dem Schwalbenhof.

Dann brachen sie auf zu einer gemeinsamen Runde. Als sie am Ringreiterplatz vorbeikamen, begrüßte sie ein Meer von Gänseblümchen.

Am Dorfausgang holte sie ein Eichelhäher ab. Er flog neben ihnen her von Zaunpfahl zu Zaunpfahl wie es sonst die Rotkehlchen tun.

Sie gingen noch ein Stück des Weges, als Blaue Feder sich fragte, ob sie die Kerze in ihrem Zimmer ausgeblasen hatte. Sie ging lieber zurück, nachsehen. Sie wollten ja kein großes Osterfeuer zuhause haben. Sie verabredeten sich bei den Oster-Lämmern.

Sie hatte die Kerze ausgeblasen, aber manchmal ist es besser, nachzusehen. Blaue Feder ging dann den Weg anders herum und fand es auch ganz schön ein Stück alleine zu gehen. Die Osterglocken läuteten gerade den Mittag ein.

Am Wegesrand waren die Sternmieren über Nacht erblüht.

Zusammen schauten sich Blaue Feder und Brauner Bär die Oster-Lämmer an. Von allem Neugeborenen geht ja immer ein besonderer Zauber aus und die Mütter zeigten Stolz ihre Kinder.

Brauner Bär erzählte von den Brandgänsen beim Fuchsloch. Er ging dann heim und Blaue Feder alleine weiter. Sie wollte noch die alte Holler besuchen. Am Wegesrand wurde sie von alten Bekannten begrüßt. Die Knoblauchrauke sagte Hallo und auch die Fette Henne. Blaue Feder musste immer lachen, wenn sie die Fette Henne sah. Beim kleinen Buchenwald fand sie ein kleines rotes Osterei und sie sah die Großen Sternmieren tanzen.

Sie ging den Weg zur alten Holler und hörte neben sich ein Rascheln. Sie erblickte eine Eidechse. Die sagte etwas karg: ‚Konzentriere Dich auf das Wesentliche‘ und sie verschwand im Gras.

Blaue Feder ging weiter und die Herren Gundermann lüpften ihre Hütte. Sie begrüßte sie freundlich. Sie ging durch das Weißdorn-Tor, dessen Blätter nun grün strahlten und sie begrüßte die alte Holler. Auch die Alte war etwas unwirsch und sagte im Prinzip das Gleiche wie die Eidechse und sie empfahl. ‚Geh zurück zu den Sternmieren und setze Dich zu ihnen.‘

So ging Blaue Feder zurück zu dem kleinen Buchenwald und setzte sich zu den Sternmieren.

Als sie die Augen schloss, hörte sie ein Pferd wiehern und galoppieren. So ist es im Frühling, da gehen die Pferde mit uns durch.

Die Sternmieren begrüßten sie alle durcheinander. ‚Hallo-hallo-hallo‘ kam es von allen Seiten. Blaue Feder bat darum, dass nur eine sprach.

Eine Sprach für alle und sagte: ‚Konzentriere Dich – was siehst du vor deinem inneren Auge?‘

‚Einen Springbrunnen.‘

‚Eben! Das bist Du! Kannst Du in einem Springbrunnen etwas erkennen?‘

‚Nein‘, sagte Blaue Feder.

‚Dann gehe jetzt in Dein Herz. Was siehst du da?‘

Eine ruhige Quelle und kannst du dich in dieser Quelle spiegeln?‘

‚Ja!‘

Blaue Feder verstand. Es ist im Frühling normal, dass die Pferde mit uns durchgehen. Alles erwacht, und erblüht. Die Säfte steigen hoch. Die Natur steht auf und wir wissen gar nicht, welches Blümelein am Weg wir zuerst bewundern sollen. Da ist es nicht so einfach, sich zu konzentrieren und zu dem zu finden, was für uns wesentlich ist. Es ist, als würden alle Stimmen durcheinander sprechen.

Blaue Feder wusste aus Erfahrung, dass oft die Pflanzen rund ums Haus, die in ihrem Garten wuchsen, gut für sie waren. Sie musste nicht so weit gehen. Oft fand sie wichiges in ihrer direkten Umgebung wie das Gänseblümchen.

Blaue Feder saß noch eine Weile bei den Sternmieren und sah Schmetterlinge fliegen. Dann bedankte sich sich und wünschte ihnen einen schönen Tag. Sie ging durch den Wald zurück. Die Maiglöckchen gaben ihr noch einen Hinweis mit auf dem Weg.

‚Es blühen auch noch schöne Blumen im Mai.‘

Blaue Feder sah den Eichelhäher vor sich herfliegen – von Ast zu Ast. Ihr fiel auf, im Buchenwald standen viel alte Hollerbäume. Als sie aus dem Wald trat, begrüßten sie die Brennesseln. Die wuchsen auch gerade in ihrem Garten bei der alten Holler. Brennesseln tun Blaue Feder gut, wenn es darum geht, auch mal ‚Nein‘ zu sagen und sich abzugrenzen.

Vielleicht nahm sie sich Zeit und wendete sich den Brennesseln zu, überhaupt ihrem Garten und dann war da ja auch die Baustelle. Heute wollten sie anfangen, den Fußboden zu verlegen.

Im Grunde war die Botschaft schon am Frühstückstisch da. Eine Biene hatte sich mit Pollen so überladen, dass sie sich nicht mehr fliegen konnte. Sie musste etwas Pollen abstreifen, dann ging die Reise weiter. Manchmal ist etwas weniger mehr.

Deshalb machte Blaue Feder jetzt hier wirklich eine Pause, bis sie von ihren Erfahrungen mit der Brennessel erzählen konnte.

Am Fuchloch sah sie noch eine der Brandgänse, von denen Brauner Bär gesprochen hatte. Sie sind jedes Jahr hier. Sie werden auch Fuchsgänse genannt, weil sie gerne in alten Fuchsbauten nisten. Füchse hatte Blaue Feder am Fuchsloch noch nie gesehen. Vielleicht nutzten die Gänse ihre alten Bauten.

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