Irgendetwas ist anders oder der Ruf der Kraniche

Die Sonne blinzelte durch den Vorhang und kitzelte Blaue Feder am großen Zeh wach. Freude war in ihr, als sie die Augen öffnete. Konnte es sein, dass sich auch Mutter Erde freute? Es waren gestern Entscheidungen getroffen worden. Es gab eine Pause, eine
Pause der Besinnung. Manchmal brauchte auch Blaue Feder eine Pause, wenn sie nicht mehr im
Einklang mit der Natur war. Dann nahm sich ihr Körper eine Auszeit, damit sie
zur Ruhe kam und ihr bewusst wurde, was sie tat. Oft ging sie gestärkt aus
ihren kleinen Krisen hervor. Was im Kleinen funktionierte, konnte doch auch im Großen
funktionieren. Vielleicht tut uns die Pause jetzt gut!? Mutter Erde konnte sich ein Weilchen erholen. Es gab wieder frische Luft, weil nicht mehr so viele Flugzeuge flogen. Den Meeren tat es gut, wenn weniger große Schiffe fuhren. Eltern spielten mit ihren Kindern. Arbeitgeber dachten um in bezug auf homeoffice. Vielleicht gingen die Menschen mehr in die Natur, wenn alles andere geschlossen war.

Blaue Feder wusste es nicht, wofür diese Krise gut war. Aus eigener Erfahrung wusste sie nur, dass ihr jede Krise ein Geschenk gebracht hatte, auch wenn sie es in der Krise nicht hatte sehen können.

Blaue Feder freute sich gerade über die warmen Sonnenstrahlen und zog sich schnell an. Draußen auf der Wiese lag Raureif. Der Winter war für einen Moment zurückgekehrt und hüllte alles in seinen glitzernden Mantel. Blaue Feder betrachte die Amseln im Schein des Lichtes.

Es zog sie wieder zur BroklandSau. Sie ließ sich die Sonne ins Gesicht scheinen.
Der Nordwind hatte kalte Luft mitgebracht und die Wolken weggepustet. Ihr Bick fiel auf die Stall-Fenster des Nachbarn. Sie lächelte.

Der Weg ins Tal lag schwarz vor ihr und die Sonne ging auf.

Auf dem Weiß-Schwarzen Tor saß ein
Wächter. Blaue Feder fragte, ob sie eintreten durfte. Der Wächter drehte sich
zu ihr um und flog davon. Blaue Feder fühlte, sie war willkommen.

Im Weißdornhain stand ein junger Rehbock im Sonnenschein. Sie schauten sich
an und Blaue Feder fragte, ob sie weiter gehen durfte an die BroklandSau.

Der Rehbock lief ein Stück nach links. Blaue Feder folgte ihm mit dem Blick und entdeckte die Kiebitze, die zurückgekehrt waren. Sie hörte sie rufen im Morgenlicht und sie freute sich.

Als der Rehbock weiter lief, hörte Blaue Feder einen Ruf, der in ihrem Herzen wiederhallte und dann sah sie sie. Zwei Kraniche standen am Ufer der Broklandsau.
Sie hatte schon Kraniche über das Tal fliegen sehen, aber noch nie hatte sie hier welche rasten sehen. Sie hatten wohl die Nacht hier Pause gemacht. Blaue Feder war glücklich. Sie stand einfach da und beobachte wie die Tiere ihr Gefieder schüttelten. Was für ein Moment.

Blaue Feder ging an die Broklandsau. Sie hielt sich rechts, damit sie die Vögel nicht störte. Sie schaute nach dem Huflattich, aber sie fand keinen. Jedes Jahr ist anders. Sie sah eine schwarze Muschel in der Erde liegen.

Sie fand noch etwas anderes. Sie fand sich. Sie sah sich im Spiegel der schwarzen Erde und sie war die schwarze Erde, die sie so liebte. Sie war der Fluss, der sich wie ein Schlange durch das Tal schlängelte. Sie liebte dieses Land wie sich selbst.

Sie stand am Fluss und die Sonne spiegelte sich im Wasser. Aus dem Augenwinkel
sah sie wieder ein paar Reiherenten und freute sich. Heute waren es zwei Damen und ein Herr. Gestern waren es zwei Herren und eine Dame gewesen. Es fiel ihr einfach auf.

Sie schloss die Augen und lauschte den Vögeln. Sie tauchte in den Sonnenaufgang. in Specht schlug die Trommel.

Tiefer Frieden senkte sich in ihr Herz. So stand sie eine ganze Weile und ihr Herz war ganz weit.

Sie ging eine Weile am Fluss entlang. Sie nahm die Muschel auf und sah, von innen war sie weiß. Sie nahm sie mit. Sie könnte darin Kräuter räuchern. Sie bedankte sich für das Geschenk.

Dann sah sie die Kraniche fliegen und sie schaute ihnen nach bis sie im Licht am Horizont verschwanden und wünschte ihnen eine gute Reise.

Die Atmosphäre war wie belebt. Hasen spielten auf der Wiese. Blaue Feder blickte über das Land. Sie war das Land. Sie sah die Gänse auf der Wiese grasen und sie war eine von ihnen. Sie sah die Kiebitze fliegen und sie fühlte sich frei.

Sie ging durch den Weißdornweg zurück und eine Meise sang.

Stimmt’s, das Leben ist schön?

Stimmt’s, das Leben ist schön?

Stimmt’s, das Leben ist schön?

Blaue Feder antwortete: ‚Ja, es stimmt, das Leben ist schön!‘

Sie schauten sich an und sie schwiegen zusammen.

Mit dieser Erfahrung im Herzen kehrte Blaue Feder zurück in ihr Dorf, das sie so liebte.


Sie stand unter ‚ihrer‘ Eiche und begrüßte sie. Ein paar Stare saßen in ihren Zweigen. Ein Star bereitete das Nest.

Blaue Feder fiel das Lied von Kat Frankie ein ‚Born clever‘. In einer Zeilesingt sie: ‚I don‘t wanna be a star‘. Der Star wandte Blaue Feder den Rücken zu und es war nicht mehr wichtig.

Blaue Feder war in diesem Moment alles. Sie war eins mit allem und eins mit sich. Welch ein schöner Moment, als der Winter für eine Weile zurückkehrte.

Blaue Feder konnte nur empfehlen raus zu gehen in die Natur und die schöne Jahreszeit zu genießen. Das stärkt auf jeden Fall das Immunsystem.

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