Das Überraschungs-Ei

Im Tal der BroklandSau wehte schon wieder ein heftiger Schweine-Wind. In der Nacht hatte es gestürmt, wie aus Eimern geschüttet und es war sau-kalt. Am Morgen blinzelte aber ab und zu die Sonne durch die Wolken.

Der Wind hatte den letzten Winterschmuck heruntergeweht. Zum Glück hatten sich Brauner Bär und Blaue Feder letzte Woche noch unter den Misteln geküßt. Das Preisschild hing noch an den Misteln – 7,95,- €. Die hatten wohl ihren Zweck erfüllt. Nur noch das rote Band wehte im Wind.

Blaue Feder setzte sich zu ‚Ayla‘, der Dorfeiche und feierte mit ihr ein wenig Karneval. Die bunten Krokusse tanzten um sie herum. Das hatten die Dorfbewohner aber fein gemacht. Mit Husum konnten sie wohl nicht konkurrieren, aber die Eiche freute sich über das Blumenmeer zu ihren Füßen.

Blaue Feder mochte den Karneval. Sie hatte als Kind immer Fasching an ihrem Geburtstag gefeiert. Sie liebte es sich zu verkleiden und in andere Rollen zu schlüpfen. Wer meine, hier oben im Norden verstehen die Menschen nichts vom Karneval, der fahre am Rosenmontag nach Marne einer Hochburg des Norddeutschen Karnevals. Dort heißt es am Rosenmontag ‚Marn hol fast‘.

Ayla sagte etwas verschlafen: ‚Genieße einfach, was Dir gegeben wurde‘.

Sie war noch nicht so ganz aus dem Winterschlaf zurück, auch wenn die Stare schon in ihren Ästen quietschten. Eine Amsel schaute von der anderen Sraßenseite zu Blaue Feder herüber.

Blaue Feder ging heute in Narren-Laune ihre Runde einfach einmal anders herum. Sie wollte sich noch einmal den Geheimen See anschauen. Er war überall eingezäunt und wenn sie näher ranwollte, müsste sie das mal mit einer Freundin zusammen machen, weil es hier einfach zu steil hinunter ging. Eine Schnecke mahnte zur Eile mit Weile. Wenn sie zu viel wollte, sah sie die kleinen Schönheiten am Wegesrand nicht.

Die Weiße saß versteckt am anderen Seeufer und sie flog einige Male an Blaue Feder vorbei. Manche Geheimnisse geben sich eben nicht so schnell preis, vielleicht auch garnicht.

Manchmal wollte Blaue Feder einfach zuviel. Manchmal war es vielleicht angesagt, einfach mit dem, was sie hatte, in die Tiefe zu tauchen. Nicht immer brauchte es etwas Neues. Manchmal fand sich im Kern des Alten ein neuer Same.

Wenn Blaue Feder dann losließ, konnte es passieren, dass sich eine ganz unerwartete Tür öffnete. Sie sah in der Ferne einen Grünspecht fliegen und plötzlich war sie irgendwo in Italien und entdeckte einen kleinen Hühnerstall. Das Huhn ging in den Stall, als würde es ein Ei legen wollen. Als der Hahn krähte, merkte Blaue Feder, dass sie Hunger hatte.

So ging sie langsam zurück. Sie besuchte noch einmal kurz die Wilde Kirsche und die sagte. ‚Gehe mal lieber nach Hause, da braut sich schon wieder was zusammen.‘ Kaum aus dem Wald heraus, fielen schon die ersten Regentropfen.

Die Wilde Kirsche bekam auch schon Knospen und eine einzelne Narzisse stand an ihrem Fuße. Vielleicht waren die Narzissen die Schlüsselblumen hier in diesem Landstrich? Wer weiß das schon?

Auf dem Heimweg fand Blaue Feder ein gold-gelbes Ei im Gebüsch. Es erinnerte sie an das Ei, das sie im Winter auf ihr Bild gestickt hatte, in dem Bild ‚Kingfisher Secret‘.

Sie nahm es mit. Ob etwas darinnen war? Vielleicht war es leer? Daheim öffnete sie das goldene Ei und fand darin ein kleines Segelboot. Im Internet fand sie sogar eine Bastelanleitug. Das Überraschungs-Ei war aus den Jahren 2010. Spontan fiel ihr dazu ein, dass sie zu dieser Zeit hier nach Ostrohe gezogen war.

-Was sie in der Zeit hier schon alles erlebt hatte. Manchmal, wenn Blaue Feder unglücklich war, nicht im Frieden mit sich oder es ihr nicht schnell genug voran ging, dann tat es ihr gut, zurück-zu-schauen. Zurück-zu-schauen auf die Früchte des Lebens – auf das, was sie alles schon erfahren hatte. Manchmal zeigte sich dann schon ein Hauch von Lächeln in ihrem Gesicht und manchmal fand sie dann das rote Band, dass sich durch ihr Leben zog.

Die Segel müssten erneuert werden, die hatten durch das lange Liegen in der Feuchtigkeit gelitten. Wenn sie neue Segel nähte, dann konnte die Reise losgehen.

Wo wollte sie denn hinsegeln?

Mit dieser Frage im Herzen sendet Euch Blaue Feder einen lieben Gruß von der Hallig-Ostrohe irgendwo im sturmgepeitschten Meer.

3 Kommentare zu „Das Überraschungs-Ei

    1. Hallo Du liebe Schwester einer lieben Schwester, mich umweht auch immer ein vertrauter Wind, wenn ich Deine Geschichten lese. Es wundert mich nicht mehr ganz so sehr, seit ich weiß, woher dieser Wind weht. Sei herzlichst gedrückt…

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