Das Labyrinth

Fortsetzung ‚The Tri-coloured House‘ 3

Den Winter über zog sich Blaue Feder zurück wie eine Bärin in ihre Höhle und wärmte sich am Winterfeuer. Sie sammelte alte Stoffreste zusammen in schönen Farben und Mustern. Jedes Stück Stoff erzählte ihr eine kleine Geschichte. Wie die Alten webte und nähte sie daraus einen Teppich. Sie webte ein Lebensmuster und sang ihre Lieder hinein. Nach und nach entstand ein Labyrinth. Ein Labyrinth wie sie es aus der Cathédrale Notre-Dame de Chartres kannte. Sie webte einen Teppich für die beiden Abenteurer – ein Spiel des Lebens.

Das Labyrinth ist ein Wandelraum. Es ist ein altes Symbol für die innere Reise durch unser Leben, ein Symbol für die Verwandlung. Wir kommen anders aus dem Labyrinth heraus, als wir hineingegangen sind. Es ist dabei kein Irrgarten. Wir sind immer auf dem Weg und kommen irgendwann in der Mitte bei uns selbst an. Anschließend tragen wir unsere Erfahrungen des Ankommens hinaus in die Welt. Wenn wir in ein Labyrinth hineingehen, dann begegnen wir uns selbst und wenn wir hinausgehen, tragen wir das Erfahrene hinaus in die Welt.

Wir betreten ein Labyrinth im Westen mit dem Blick nach Osten, dem Ort der aufgehenden Sonne. Wir gehen in die Mitte, um dort neu geboren oder initiiert zu werden und gehen dann mit unseren Erfahrungen zurück in die Welt.

Blaue Feder malte lauter Einsen auf einen Spielwürfel. Durch ein Labyrinth gehen wir Schritt für Schritt. Es geht nicht darum schneller als andere zu sein. Es ist kein Spiel, bei dem es ums Gewinnen geht. Es ist ein Weg, wo wir mit jedem achtsamen Schritt Erfahrungen machen, die uns zu einem neuen Schritt führen. Jede Reise ist einzigartig, so wie wir einzigartig sind.

Warum hatte Blaue Feder angefangen zu schreiben? Es war eine Art Reisetagebuch, das sie schrieb. Manchmal machen wir Erfahrungen, die wir nicht verstehen. Manche Erfahrungen verstehen wir erst viele Jahre später und dann ist es gut ein Reisetagebuch zu haben, um noch einmal nachschlagen zu können. Auch Träume und Traumreisen sind schnell vergessen, wenn wir sie nicht aufschreiben.

Nun saßen die ersten Spieler mit ihren Spielfiguren um den Spiel-Teppich herum und die Reise konnte beginnen. Es würden sich unterwegs wohl noch ein paar Weggefährten einfinden.

Ein wunderbarer Wegbegleiter durch das Labyrinth ist das Buch von Sabine Treeß ‚Dem Ruf der Seele folgen‘.