‚Augenbraue der Venus‘

Immer wieder machte die Schafgarbe auf sich aufmerksam. Sie wuchs in der Wiese direkt vor Blaue Feders Fenster und fing jetzt gerade an zu blühen. Blaue Feder hatte Angst, dass ihre ‚Jungs‘ bald wieder mit ihrem Rasenmäher kamen und so grub sie einige Schafgarben aus. Sie wusste nicht, ob die Schafgarben woanders anwuchsen. Sie hatte gehört, sie wuchsen nur dort, wo sie wollten. Beim Ausgraben fiel ihr auf, das die Schafgarben untereinander verbunden sind. Botanisch gesehen ist es wohl so, dass eine Mutterpflanze Ausläufer bildet. Manche Ausläufer werden etwas dicker, färben sich violettrot und an ihrem Ende entspringt eine neue Pflanze oder manchmal auch nur ein Blättertrieb. Blaue Feder erinnerte das an ein Netz – wie Menschen, die sich miteinander verbinden und gegenseitig stärken.

Ihre Wurzel dringt nicht tief ins Erdenreich ein. Sie wird in der Literatur auch als ‚Heil aller Welt‘ bezeichnet, weil ihre Heilkraft in viele Bereiche geht. So wirkt sie sich auch heilend für das Erdenreich aus. Es scheint so, als ob sie heilende Energien und Lebenskräfte anziehen kann und ans Erdenreich weiter gibt. Im Garten stärkt sie so andere Pflanzen. Auch auf Blaue Feder hatte sie diesen Einfluss. Schon bei der ersten Kräuterwanderung, als Blaue Feder die jungen Schafgarbenblätter probierte, freute sich ihre Seele.

Die Schafgarbe wird ‚Augenbraue der Venus‘ genannt, weil ihre Bätter gefiedert sind wie Aufgenbrauen. ‚Garwe‘ heißt im althochsdeutschen Gesundmacher und so haben wohl die Schäfer beobachet wie die Schafe Schafgarben fressen, um sich damit zu heilen.

Ihr lateinsicher Name ‚Achillea‘ verweist auf Achilles, der an der Ferse verletzt wurde. Die Göttin Aphrodite empfahl ihm, seine Wunde mit Schafgarbe zu heilen.

Blaue Feder spürte zwei Qualitäten – zum Einen, das sanfte, wärmende und krampflösende Element und zum anderen, der starke Stengel in der Mitte, der aufrecht und unbeugsam steht. – Ihre ganze Erscheinung spiegelt dieses Ausgleichende mehr auf seelischer Ebene wirkende Element.

Später erfuhr Blaue Feder, dass aus Schafgarben ein azurblaues ätherisches Öl gewonnen werden kann, das Azulen. Die Pflanze ist ganz durchdrungen davon und wirkt stark auf seelischer Ebene.

Sumpf-Schafgarbe

‚Wasser des Lebens bin ich‘, war der Satz der Blaue Feder kam, als sie bei ihr saß.

Blaue Feder zog es gerade sehr zu den Schafgarben. In ihrem Sommerstrauß war auch eine Schafgarbe. Vielleicht würde sie noch ein bisschen mit der Schafgarbe gehen und lauschen, was sie ihr sagen wollte.