Am Alten Feuer

Von Zeit zu Zeit hörte Blaue Feder einen Ruf in sich. Sie packte dann ihren kleinen Blauen Koffer und ging auf eine Reise. Das ‚Alte Feuer‘ rief sie. Es rief alle, die den Ruf hörten. Von überall her würden sie kommen, um gemeinsam am Alten Feuer zu sitzen. Im Rund würden sie sitzen und ihre Geschichten am Feuer teilen.

Blaue Feder freute sich auf die Reise und die gemeinsame Zeit am Feuer. Da sie viel für sich allein wurschtelte, war es schön mal wieder in einem Kreis sitzen, sich auszutauschen, zu lachen, zu weinen und gestärkt wieder heimzukehren. Sonst denkt frau auch, sie würde vielleicht etwas seltsam. Wenn andere auch seltsam waren, dann war frau nicht so allein.

Es regnete, Blaue Feder war erkältet und die lange Reise stand ihr bevor. So war es meistens. Erst freute sie sich und wenn es dann los ging, dann kamen Widerstände. Warum kann ich nicht einfach hierbleiben? Hier ist es auch schön. – Vielleicht kennst Du ähnliches?

Als der Ruf an sie ging, hatte sie auch nicht geschaut, wohin es ging. 13 Stunden würde sie auf der Bahn hocken. Nun, sie war aufgeregt, wie Eine eben aufgeregt ist, wenn sie eine Reise unternimmt.

Sie schaute aus dem Fenster. Noch war ihr die Landschaft sehr vertraut. Sie sah sich selbst im Fenster. Schaute sich an. Was hast du denn für komische Klamotten an? War sie das? So ganz in Schwarz. Sie fühlte sich nackig. Schwarz wie ein Stück Kohle. Unsichtbar – ein Nichts.

‚Soso, hörte sie eine Stimme, ist das so? Dann sei ein Stück Kohle. Was hast du zu verlieren? Lass dich in den Prozess fallen. Du bist schon nackig, was soll Dir passieren? Lasse dein Herz die Worte finden. Folge dem Stern der Freude. Folge der Leichtigkeit. Die Weiden unterstützen dich und zuweilen auch die Gartenzwerge. Manchmal auch Frauen mit Roten Haaren. Schaffe dir Räume für ‚Blaue Feder‘ – Zeiten zum Schreiben. Trinke ab und zu auch mal ein Bier. – Soso‘

Wo kam das denn denn her? Die Bahn tuckerte so vor sich hin. Doch bevor sie es fassen konnte, schloss sie schon wieder die Augen. Das monotone Geräusch der Bahn lullte sie ein und sie ging auf eine Reise.

Sie fand sich wieder auf einer Hochebene und stand vor einer Jurte. Die Landschaft war ihr bekannt. Drinnen brannte ein Feuer. Menschen saßen um das Feuer. Blaue Feder ging hinein und setzte sich in den Kreis. Ihr gegenüber saß eine Alte Weise und schaute Blaue Feder tief in die Augen und in ihr Herz. Dann sprach sie:

‚Schau meine Liebe wie wunderbar du bist

Bist durch so viele Täler gewandert

Auf Berge geklettert

Tief ins Meer getaucht

Weit über die Wolken geflogen

Du bist den Sternen gefolgt

Dem Ruf der Göttin

Hast tiefe Seelenlandschaften durchwandert

Manchmal hast Du gedacht, es ginge nicht weiter

Doch hast Du aus der Kraft deines Herzens einen Weg gefunden

Du hast die Liebende Mutter in Dir entdeckt

Den weiten Raum

Bist durchs Feuer gegangen

Und zur Kohle geworden

Schwarz, schwärzer und noch schwärzer

Langsam ist Vertrauen in dir gewachsen

Vertrauen, das es irgendwo weiter geht

Sei gewiss, ich bin immer bei Dir

Denn Du bist ich

Und ich bin Du

Immerdar

Und zu aller Zeit‘

Als Blaue Feder die Augen öffnete, saß sie bereits am Alten Feuer mit all den anderen. Sie lachten und erzählten ihre Geschichten. Das Feuer brannte langsam runter und die Asche erlosch. Aus der Asche nahm Blaue Feder ein Stück Kohle. Mit der schwarzen Kohle malte sie ein Bild.

Dann war es an der Zeit zu gehen. Noch einmal versammelten sich alle im Kreis. Was nahmen sie mit. Gab es ein Wort, einen Satz der beschrieb, was sie an Erfahrungen mitnahmen. Blaue Feder fiel sofort ein Satz ein:

‚Butter bei die Fische‘

Ursprünglich war es so, dass die Butter erst zum Fisch gegeben wurde, wenn alles andere fertig war. Dann war es Zeit zu essen. In ihrer Familie war es die Oma, die den Fisch zubereitet. Die Alte die Weise. Nun war es an der Zeit, dass Blaue Feder die Speisen bereitete und zum Essen rief. Mit der Zeit würde sie herausfinden, was ‚Butter bei die Fische‘ für sie bedeutete. Nun umarmten sich alle, ein paar Tränen flossen und eine gute Reise wurde gewünscht.

 Blaue Feder nahm ihr Bild und stieg wieder in die Bahn. Sie hoffte, sie könne sich ein bisschen ausruhen. Sie war so voller Eindrücke. Doch weit gefehlt.

An einem See stieg eine alte Dame zu. Weiß war ihr Haar, ihr Alter fortgeschritten. Sie hatte wunderbar strahlende blaue Augen. Blaue Feder sprach sie an und fragte wie der See wohl hieße, an dem sie gerade vorbeifuhren. Es war der Ammersee. Schon waren die beiden in ein Gespräch vertieft. Blaue Feder fragte, woher sie käme und wohin sie ging. Sie kam von einem Seminar. Doch meinte sie Blaue Feder würde sie für verrückt halten, wenn sie von dem Seminar erzählte. Blaue Feder erwiderte, dass sie das nicht glaubte. Auch sie käme von einem ‚verrückten‘ Seminar. Und so erzählte sie von dem Erlebten. Zusammen reisten vom Sirius bis hin zu Saturn.

Blaue Feder fragte die Alte wie sie ihr Wissen vermittelt. Sie sagte sie verstehe sich als Übersetzerin. Den Ansatz fand Blaue Feder spannend. Das fanden auch zwei Jungen spannend, die ihrem Gespräch gelauscht hatten. Ein junger Philosophiestudent und sein kleiner Bruder. Nun stellten die beiden Fragen und Blaue Feder und die Alte versuchten zu übersetzen. Gemeinsam reisten sie weiter zur Venus, tauchten in die Liebe. Darin waren sich alle einig, die Liebe verband alle.

Liebe verbindet

In Augsburg trennten sich die Wege. Die Alte war hier zuhause. Sie gab ihnen eine Karte, darauf war ein Graureiher zu sehen. Blaue Feder schmunzelte. Die Jungs verabschiedeten sich. Ein bisschen schwindelig war Blaue Feder schon von der Sternenreisen. Sie hatte auch noch nicht gefrühstückt, weil sie am Morgen verschlafen hatte. Sie holte sich eine Kleinigkeit zu essen und stieg in den nächsten Zug.

Eine junge Frau setzte sich zu ihr. Bildschön mit langen lockigen Haar, ein zauberhaftes Wesen. Auch sie kamen sofort ins Gespräch. Sie war eine Heilkundige auf dem Weg zu ihrer ersten festen Anstellung nach dem langen Studium der Medizin. Sie war eindeutig im Saturn-Return und hatte Angst, dass ihr Leben nun in festen Bahnen etwas langweilig weiter laufen würde. Blaue Feder konnte sie beruhigen und versprach ihr aus Erfahrung, da würde noch vieles kommen, was sie jetzt noch nicht ahnte.

Leben ist Veränderung

Während die beiden schwatzen, war Unruhe vor ihnen aufgekommen. Eine ältere Dame saß wohl auf dem verkehrten Platz. Ein junger Mann beanspruchte ihn. Blaue Feder, die sich sonst nie einmischte und merkte wie die ältere Frau mit der Situation überfordert war, mischte sich ein, sagte zum dem jungen Mann, dass er jung sei und sich doch auf den Platz der älteren Dame setzen könne, dann müsse sie nicht mit ihrem ganzem Gepäck umziehen. Er ging, ging in sich, kam wieder und sagte der Dame, sie könne sitzen bleiben. Später sah Blaue Feder ihn auf dem Gang sitzen.

Dann stieg die junge Frau aus und Blaue Feder holte die ältere Dame zu sich. Der junge Mann bekam Bescheid, dass sein Platz nun frei wäre. Er lehnte dankend ab, weil er nun wohl bald aussteigen musste. Schon waren auch die ältere Dame und Blaue Feder mitten im Gespräch. Sie lachten viel und waren wie alte Freundinnen, die sich wiedergetroffen hatten nach langer Zeit. Sie war eine Tänzerin und eine Yoga-Kundige. Tanzen war ihr Leben. Sie fuhren gemeinsam heim und tauschten ihre Adressen aus.

‚Tanze mein Herz

Die Rückreise verflog wie im Fluge.